Rückfall
«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres siciliennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar nicht heraus aus dem Œuvre. Da wäre zum Beispiel die starke, zerrissene Vaterfigur des Montfort, ein Verwandter Germonts und Philipps.
Oder das Hineintreiben der Figuren in Extremsituationen, in denen der emotionale (und selten bewältigte) Ausnahmezustand wichtiger wird als Stringenz und Logik. Eine fast laborhafte Dramaturgie also, die im Augenblick des Konflikts ihre höchste Dramatik findet – nicht anders funktionieren «Il trovatore» und «La forza del destino».
Die Voraussetzung freilich: Der Regisseur muss sich diesen Kraftfeldern, ihren immer neuen, auch ruckhaften Ausrichtungen stellen. An der Bayerischen Staatsoper sieht man anderes. Es ist ein Rückfall in den dort gern gepflegten Inszenierungsstil, der sich in Garnierung, im Finden eines ästhetischen, durchaus ambitionierten Rahmens erschöpft. Für Antú Romero Nunes ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Markus Thiel
Die kunstvollen, teils kontrapunktischen Arien, die Ouvertüre und den Schlusschor gab es bereits – erstmals 1727 waren sie in London erklungen, bei der Uraufführung von Händels «Riccardo primo, Re d’Inghilterra» auf ein Libretto von Paolo Antonio Rolli. Als Telemann einen Druck der Gesangsnummern aus «Riccardo» erhielt, erschien ihm eine Aufführung in Hamburg...
Noch einmal bauscht der Vorhang zur Seite, und da stehen sie, jubelumbrandet, im Rosenregen: Gwyneth Jones, die erste Feldmarschallin, Brigitte Fassbaender, ihr Octavian, «Otti» Schenk, Jürgen Rose – eine Verbeugung vor dem Strauss-Dreamteam der 1970er-Jahre, eine Huldigung, bevor dieser «Rosenkavalier», Inszenierungsikone, lange von Carlos Kleiber dirigiert und an...
Als Skandalon geht Oscar Wildes 1891 erschienener Einakter über die rätselhaft-maßlose Prinzessin von Judäa heute kaum mehr durch; erst recht nicht die 14 Jahre später in Dresden uraufgeführte Opernadaption von Richard Strauss. Und doch bleibt der «Salome»-Stoff, die exaltierte emotionale Energie dieser schäumenden Geschichte, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts...
