Rückfall
«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres siciliennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar nicht heraus aus dem Œuvre. Da wäre zum Beispiel die starke, zerrissene Vaterfigur des Montfort, ein Verwandter Germonts und Philipps.
Oder das Hineintreiben der Figuren in Extremsituationen, in denen der emotionale (und selten bewältigte) Ausnahmezustand wichtiger wird als Stringenz und Logik. Eine fast laborhafte Dramaturgie also, die im Augenblick des Konflikts ihre höchste Dramatik findet – nicht anders funktionieren «Il trovatore» und «La forza del destino».
Die Voraussetzung freilich: Der Regisseur muss sich diesen Kraftfeldern, ihren immer neuen, auch ruckhaften Ausrichtungen stellen. An der Bayerischen Staatsoper sieht man anderes. Es ist ein Rückfall in den dort gern gepflegten Inszenierungsstil, der sich in Garnierung, im Finden eines ästhetischen, durchaus ambitionierten Rahmens erschöpft. Für Antú Romero Nunes ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Markus Thiel
Der Meister war voll des (untergründig-ironisch getränkten) Lobes. «Was uns bei Bellini bezauberte», heißt es in einem Brief Richard Wagners an Cosima, nachdem er Wilhelmine Schröder-Devrient in «I Capuleti e i Montecchi» gehört hatte, «war die reine Melodie, der schlichte Adel und die Schönheit des Gesangs.» Besonders ein Stück des Belcantokönigs, mit dem er sich...
Drei Jahrzehnte lang hat Pierre Audi die Nationale Opera in Amsterdam geleitet – eine exorbitante Erfolgsgeschichte. Als Regisseur verabschiedete er sich geradezu bescheiden, dazu nicht einmal im Stammhaus, sondern im am Hafen gelegenen kleineren Muziekgebouw aan’t IJ; genau die richtige Spielstätte für Stefano Landis tragicommedia pastorale «La morte d’Orfeo» von...
Die Tränen Sofias sind anders. Irgendwie weicher, samtiger. Dass sie aber so reichlich vom Himmel herabkullern, überrascht selbst Einheimische. Frühling sollte es sein, wenn Gäste aus aller Damen und Herren Länder in die bulgarische Kapitale kommen, aus Kanada und Österreich, Schweden und den USA, aus Litauen und Lettland, um sich im schmucken Opernhaus drei Tage...
