Robinson Caruso
Nach der Pause – Gustavo Dudamel war gerade, den Lockenkopf demütig geneigt, mit einigen Bravos geduscht worden und suchte den Stab zum dritten Akt zu heben – sandte ein Zuschauer aus dem Rang eine giftgrün-wienerische Sprechblase in den Raum: «Nimm a Partitur, dann klingt’s vielleicht besser ...
» Was hatte den Zwischenrufer so erbost? Dass der Venezolaner, der ja auch das kommende Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gestalten wird, bei seinem Staatsoperndebüt auswendig dirigierte? Oder eher, dass «Turandot» bei ihm nach dem frühen Strawinsky klang, nach «Feuervogel» und vielleicht sogar nach dem «Sacre»? Dass das Plüschig-Operettenhafte, das manche an Puccini so zu lieben scheinen, weitgehend fehlte? Dabei hatte Dudamel durchaus Sinn für die große Theatralik, ließ die Musiker des Staatsopernorchesters hin und wieder voll aus dem Halfter. Mit dem Ergebnis, dass etwa Yusif Eyvazov als Calaf sich am Ende des ersten Akts vorgekommen sein muss wie eine Art Robinson Caruso, einsam gegen die Brandung ansingend.
Ursprünglich war ja Johan Botha vorgesehen gewesen, erst die schwere Erkrankung des Südafrikaners brachte den nunmehrigen Ehegespons von Anna Netrebko ins Spiel. Eyvazov ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Gerhard Persché
Ein knappes Jahr nach John Berrys Rücktritt hat sich ein neuer Artistic Director für die English National Opera gefunden: Daniel Kramer. Wie bitte, wer? Opernmäßig startete der heute 39-Jährige 2008 in der hauseigenen Young Directors Initiative durch: Mit Birtwistles «Punch and Judy» sahnte er einen South Bank Award ab. Im Coliseum imaginierte er dann «Herzog...
Giuseppe Verdi, nach dem «Falstaff» als größter lebender Komponist angesprochen, soll darauf geantwortet haben: «Lassen Sie den großen Komponisten beiseite, ich bin ein Theatermann!» Als Carlo Maria Giulini und Claudio Abbado, zwei der profiliertesten Verdi-Dirigenten ihrer Generation, «Rigoletto» (1979) respektive «Un ballo in maschera» (1980) für die Deutsche...
Herr Ott, Sie lassen alles machen: Volksmusik, Installationen, eine rätoromanische Lesung, Literaturopern und Projekte, die a priori zu beschreiben schwerfällt.
So kann man es zusammenfassen. Diese Vielfalt ist nicht Zufall, sie ist Absicht.
Unter Ihren Vorgängern Hans Werner Henze und Peter Ruzicka vertrat die Biennale einen Werkbegriff, suchte nach neuen,...
