Robinson Caruso

Puccini: Turandot Wien / Staatsoper

Opernwelt - Logo

Nach der Pause – Gustavo Dudamel war gerade, den Lockenkopf demütig geneigt, mit einigen Bravos geduscht worden und suchte den Stab zum dritten Akt zu heben – sandte ein Zuschauer aus dem Rang eine giftgrün-wienerische Sprechblase in den Raum: «Nimm a Partitur, dann klingt’s vielleicht besser ...

» Was hatte den Zwischenrufer so erbost? Dass der Venezolaner, der ja auch das kommende Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gestalten wird, bei seinem Staatsoperndebüt auswendig dirigierte? Oder eher, dass «Turandot» bei ihm nach dem frühen Strawinsky klang, nach «Feuervogel» und vielleicht sogar nach dem «Sacre»? Dass das Plüschig-Operettenhafte, das manche an Puccini so zu lieben scheinen, weitgehend fehlte? Dabei hatte ­Dudamel durchaus Sinn für die große Theatralik, ließ die Musiker des Staatsopernorchesters hin und wieder voll aus dem Halfter. Mit dem Ergebnis, dass etwa Yusif Eyvazov als Calaf sich am Ende des ersten Akts vorgekommen sein muss wie eine Art Robinson Caruso, einsam gegen die Brandung ansingend.

Ursprünglich war ja Johan Botha vorgesehen gewesen, erst die schwere Erkrankung des Südafrikaners brachte den nunmehrigen Ehegespons von Anna Netrebko ins Spiel. Eyvazov ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Fehlgeburt

Kann der Royal Opera noch Schlimmeres passieren als das Buhgebrüll, das letzten Sommer in Damiano Michielettos «Guillaume Tell» losbrach? Ja. Und zwar Gelächter. Man hatte diesmal die Abonennten vorsichtshalber gleich vor den sexuell expliziten, brutalen Szenen in Katie Mitchells Inszenierung der «Lucia di Lammermoor» gewarnt. Schon zeterten Zyniker, Covent Garden...

Unheilvoll verschränkt

In Bremen müsste Donizettis lyrische Tragödie «Maria Stuarda» eigentlich «Elisabetta» heißen: Anna-Sophie Mahlers Inszenierung zeichnet ein faszinierendes Psychogramm der als «jungfräuliche Königin» in die Geschichte eingegangenen englischen Monarchin. Sie zeigt sich als im politischen Alltag hart gewordene Frau, die immer wieder mit den in ihr aufbrechenden...

Infos

JUBILARE

1926 in Melbourne geboren, schloss Denis Vaughan 1947 an der Universität seiner Heimatstadt ein Musikstudium ab und setzte seine Ausbildung mithilfe eines Stipendiums am Royal College of Music in England fort, wo er Orgel und Kontrabass studierte. 1950 trat er dem Royal Philharmonic Orchestra unter Thomas Beecham bei, bevor er zum Assistant Conductor und...