Risse im Idyll
In Münster ist die Welt noch in Ordnung. So will es jedenfalls scheinen, wenn man vor dem Theaterbesuch durch das Stadtzentrum und über den nahen Prinzipalmarkt wandelt. Gehobener Einzelhandel, Edel-Design, gut sortierte Boutiquen für den bürgerlichen Geschmack und gediegene Gastronomie beherrschen das Bild. Dass vor dieser Kulisse seit Jahrzehnten die heitersten Ausgaben der «Tatort»-Reihe gedreht werden, die sich eher mit skurrilen Wohlstandsverbrechen als mit Dramen sozialer Härten beschäftigen, wundert nicht. Seit dem 1.
November hat Münster mit Tilman Fuchs einen grünen Oberbürgermeister, der in der Stichwahl seinen CDU-Konkurrenten Georg Lunemann deutlich übertraf. Das passt zum Image, zählt Münster doch laut «Copenhagenize Index» zu den fahrradfreundlichsten Städten der Welt. Kein Wunder, die am stärksten vertretene Altersgruppe stellen die 20- bis 29-Jährigen, zugleich verzeichnet Münster eine der höchsten Lebenserwartungen innerhalb aller deutschen Städte. Und Münster ist eine der wenigen Städte in Nordrhein-Westfalen, die noch nicht in der Haushaltssicherung sind.
Das behagliche Gefühl der geordneten Welt wird beim Betreten des Theaters zur Premiere von «Tristan und ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Reportage, Seite 64
von Regine Müller
Auch der feige Spießer verlangt zuweilen nach einer Prise Spaß. Aber woher nehmen, wenn niemand da ist, der ihm diesen gewährt? Da hilft so manchem nur der Alkohol, um dem Absolutismus der Wirklichkeit zu entfliehen und das eigene Bewusstsein zu überlisten, welches ja seiner selbst gar nicht bewusst ist, solange es von sich selbst getäuscht wird. Also trinkt sich...
Ich lehne Partien ab, die viel Schreien verlangen.» Ein Credo. Renato Bruson sang sie dann trotzdem, aber eben auf seine Art. Er hat all die Schurken, Sonderlinge und zwielichtigen Kerle zu sich herangeholt und ihnen andere, manchmal neue Facetten eröffnet. Auf dem Zenit seiner Karriere bildete der Italiener den Gegenentwurf zum sieben Jahre älteren Landsmann Piero...
Frau Kampe, was macht man eigentlich als Brünnhilde zwischen den Vorstellungen und «Ring»-Zyklen?
Ausruhen! Manchmal gehe ich auch zur Massage, damit sich der Körper ein bisschen entspannt. Ansonsten spazieren gehen, Dinge tun, die nicht allzu anstrengend sind. Aber sich völlig gehen zu lassen, ist auch nicht gut. Man muss den Motor schon am Laufen halten.
Ist es...
