Ringen um Rossini
Ob der ernste oder der halbernste – Rossini gilt in erster Linie als Sängerfutter. Deshalb geben sich Intendanten und Impresari meist damit zufrieden, um ein paar Vokal-Stars herum dekorative Arrangements zu schaffen. Zu selten werden die szenischen Herausforderungen, die in den Stücken stecken, von Regisseuren angenommen. In Pesaro bot vor zwei Jahren die Aufführung des vollständigen «Guillaume Tell» dem Tenor Juan Diego Flórez Gelegenheit, als Arnold vom lyrischen ins heroische Belcanto-Fach zu wechseln.
Er sollte die Erwartungen nicht enttäuschen, lieferte die erhoffte Brillanz, auch wenn er als Darsteller kaum Profil gewinnen konnte. Der englische Regisseur Graham Vick nimmt seine Arbeit nämlich erst im zweiten Bild des dritten Akts (Gesslers Fest in Altdorf) erkennbar auf. Da gelingt ihm eine fulminante satirische Darstellung einer Terror-Herrschaft, in der auch die handlungsbezogene Choreografie Ron Howells endlich Fahrt aufnimmt. Was davor und danach auf fast leerer Bühne geschieht, ist über weite Strecken ödes Herumgestehe und Herumgehopse.
Marina Rebeka ist eine maskenhaft starre, gesanglich kühle Mathilde, die Eidgenossen bleiben Pappkameraden. Nur Nicola Alaimo in der ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 42
von Ekkehard Pluta
Preisfrage: Zwei Abende «Pique Dame» in einer Neuinszenierung vom Sankt Petersburger Mariinsky-Theater, und zwei Abende «Le nozze di Figaro» mit Galabesetzung, aber konzertant – was beschert den Baden-Badener Sommerfestspielen die größere Publikumsnachfrage? Antwort: Mozart. Dabei bereitet die Tschaikowsky-Produktion auch einem mit «Regietheater» mitteleuropäischer...
Kennen Sie Méhul? Vor hundert Jahren hätte sich auch im deutschsprachigen Raum jeder Opernliebhaber an die biblische Oper «Joseph» erinnert; noch 1920 richtete Richard Strauss höchstpersönlich diese Partitur aus dem Jahr 1807 für die Dresdner Staatsoper ein. Das erfolgreichste Werk des aus dem französisch-belgischen Grenzgebiet stammenden Komponisten liegt seit...
Beim letzten und bisher einzigen Mal Oper waren die Beteiligten reif für die Kollektivbeichte. Ausgerechnet hier, wo das Leiden des Herrn seit einem Pestgelübde nachgestellt wird, ließ Salome ihre sieben Schleier fallen – damals, 1996, im Rahmen der Richard-Strauss-Tage und als Besuch des Mariinsky-Theaters mit Valery Gergiev. Nur alle zehn Jahre das Theater zur...
