Ringen um Rossini

Mitschnitte aus Pesaro, Bad Wildbad und Frankfurt: «Guillaume Tell», «La gazza ladra», «Aureliano in Palmira»

Opernwelt - Logo

Ob der ernste oder der halb­ernste – Rossini gilt in erster Linie als Sängerfutter. Deshalb geben sich Intendanten und Impresari meist damit zufrieden, um ein paar Vokal-Stars herum dekorative Arrangements zu schaffen. Zu selten werden die szenischen Herausforderungen, die in den Stücken stecken, von Regisseuren angenommen. In Pesaro bot vor zwei Jahren die Aufführung des vollständigen «Guillaume Tell» dem Tenor Juan Diego Flórez Gelegenheit, als Arnold vom lyrischen ins heroische Belcanto-Fach zu wechseln.

Er sollte die Erwartungen nicht enttäuschen, lieferte die erhoffte Brillanz, auch wenn er als Darsteller kaum Profil gewinnen konnte. Der englische Regisseur Graham Vick nimmt seine Arbeit nämlich erst im zweiten Bild des dritten Akts (Gesslers Fest in Altdorf) erkennbar auf. Da gelingt ihm eine fulminante satirische Darstellung einer Terror-Herrschaft, in der auch die handlungsbezogene Choreografie Ron Howells endlich Fahrt aufnimmt. Was davor und danach auf fast leerer Bühne geschieht, ist über weite Strecken ödes Herum­gestehe und Herumgehopse.

Marina Rebeka ist eine maskenhaft starre, gesanglich kühle Mathilde, die Eidgenossen bleiben Pappkameraden. Nur Nicola Alaimo in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 42
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Witz, Wahnsinn, Wahrheit

Wolfgang Rihms «Eroberung von Mexico» ist keine Oper, wie es sie von Graun, Spontini oder Sessions zum selben Thema gibt. Man könnte sogar sagen: Hier schreibt jemand an gegen die Oper, gegen ihren Guckkasten, gegen erwartbare Gefühle, gegen lineares Erzählen, gegen eine Musik, die psychologisieren will, gegen eine Sprache, die bloß als Figurenrede daherkommt. Es...

Wette mit dem Wettergott

Ob das so eine gute Idee war? Seit die Freiluftbühne der Schlossfestspiele Schwerin direkt aufs Schloss ausgerichtet ist, hat man zwar den Blick auf eine prächtige Architekturkulisse und den weiten See. Doch die Akteure wirken zwergenhaft. Ständig will das Auge über das Turm-und-Zinnen-Gebirge der Schloss-Silhouette schweifen. Und dieser Versuchung erliegt es...

«Keusche Töne sind nicht mein Ding»

Frau Soffel, verstehen Sie sich eher als Sängerin oder als Singschauspielerin?
Ich komme von der Geige her, und es gab eine Zeit, da habe ich Bach, Pergolesi und Monteverdi über alles geliebt. Dann kamen neue Minenfelder. Man lernt – ein bisschen von Regisseuren, noch mehr vom Leben. Heute empfinde ich den Ausdruck «Singschauspielerin» als großes Kompliment.

Vom...