Reine Menschlichkeit
Vom Mantuaner Gonzaga-Hof anno 1607 in die Gegenwart (Schlussbild) hatten William Christie und Pier Luigi Pizzi das Publikum vor einem Jahr am Teatro Real mit «Orfeo» geführt (OW 7/2008). Schauplatz des zweiten Teils ihrer Monteverdi-Trilogie (in Kooperation mit dem Teatro La Fenice, Venedig) ist jetzt eine griechische Insel der Gegenwart. Sand, der den Protagonisten von «Il ritorno d’Ulisse in patria» immer wieder wie ihr Leben durch die Finger rinnt, bedeckt die Bühne. Die griechischen Tempel liegen in Trümmern am Boden. Apolls Zypresse ist tot.
Athenes Ölbaum aber nährt die Menschen wie vor Tausenden von Jahren. Die Zeit, die im Prolog mit Fledermaus-flügeln wie einem mittelalterlichen Gemälde entstiegen auftritt, hat ihr Zerstörungswerk getan. Doch die Regenerationskraft der Natur, insbesondere der menschlichen, ist stärker. Größe und Grenzen des Menschen: ins poetische Gleichnis gehoben von Monteverdi, Badoaro und Pizzi.
Penelope webt ihr schwarzes Leichen- und Leidenstuch am bäuerlichen Webstuhl. Odysseus träumt unruhig auf roh gezimmertem Bett, wie abgehobene Götter über sein Schicksal schachern. Hohl tönt Neptuns Regal, eine Zungenorgel. Pizzi holt die Renaissance-Allegorie ...
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Ein erstaunliches Ritual ereignete sich am 24. Dezember des Jahres 1907 in einem unter-irdischen Gewölbe des Palais Garnier, der Pariser Opéra: Eine Gruppe vornehm gekleideter Würdenträger deponierte dort an entlegener Stelle zwei topfartige Gefäße, in die man 24 Schallplatten mit Aufnahmen bekannter Sänger und Instrumentalisten dieser Zeit versenkt hatte, «Urnen»,...
Die Kasseler Erstaufführung von Francis Poulencs aus seiner Zeit, aus dem Œuvre seines Schöpfers und über weite Strecken aus dem Genre Oper überhaupt fallendem Musiktheater wurde zum Überraschungserfolg. Was Reinhild Hoffmann aus den «Dialogen der Karmeliterinnen» machte, war der Gegenpol zu einer Inszenierung, die das Stück als neukatholisches Mysteriendrama...
Frau Kirchschlager, gestern Abend haben Sie Ihre erste Carmen gesungen. Wie hat sich das auf der Bühne angefühlt?
Gut. Zum Glück! Mir ist eine Riesenlast von der Seele gefallen, weil es für mich das erste Mal war, dass ich mir eine so wichtige Rolle ohne Regisseur erarbeiten musste und auf mich allein angewiesen war. Eigentlich hatte ich mich enorm auf die...
