Reich der Sinne
Vor rund einer Generation sind Jean-Pierre Ponnelle und Nikolaus Harnoncourt von Zürich aus auf den Planeten Monteverdi gestartet. «Poppea» war damals eine Sache üppigen Barocks. Jetzt ist Harnoncourt – mit einer Zwischenstation in Salzburg 1993, bei der er sich mit Jürgen Flimm als Partner verbündete – mit «Poppea» an die Limmat zurückgekehrt. Diesmal zeigt die Bühne eine sehr heutige Stadt, deren coole zweistöckige Nobelvilla Annette Murschetz erbaut und auf ein Rotationsplateau platziert hat, mit fließenden Übergängen zwischen den einzelnen Räumlichkeiten.
Auch wenn die Mode gewechselt hat (gefertigt von Heide Kastler in einer der schicken Boutiquen an der Bahnhofstraße) – die Gesellschaft ist sich absolut gleich geblieben: eine total depravierte hedonistische Spaßgesellschaft, die ihren jeweiligen Lüsten und Obsessionen frönt. Mit bestem Gewissen übrigens, weiß sie sich doch als ohnmächtiger Spielball der Götter, von denen Amor gleich im Prolog seinen beiden Kolleginnen Fortuna und Virtù klar macht, wer hier das Sagen hat.
Gleich geblieben ist auch der ganz aus der musikalischen Sprachdeklamation generierte Klangduktus der Produktion, der die Gesangslinien aus der ...
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Alles an dieser Produktion von Erich Wolfgang Korngolds «Toter Stadt» bei den Salzburger Festspielen 2004 war luxuriös: das Orchester (die Wiener Philharmoniker), die Besetzung (mit Daniela Denschlag und Bo Skovhus und bis in die Nebenrollen hinein), auch die Bühne von Wolfgang Gussmann und die Inszenierung von Willi Decker. Die stupende Klangqualität dieser bei...
Eine einzige Zeile benötigte Alois Ferdinand Ludwig Ritter von Köchel für seine Registrierung der Sopranarie «Per pietà, bell´idol mio» als Nummer 78 in seinem «Chronologisch-thematischen Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Wolfgang Amade Mozarts». In Helmut Kirchmeyers «Kommentiertem Verzeichnis der Werke & Werkausgaben Igor Strawinskys» nimmt die Nummer 78 nicht...
