Reich der Sinne
Vor rund einer Generation sind Jean-Pierre Ponnelle und Nikolaus Harnoncourt von Zürich aus auf den Planeten Monteverdi gestartet. «Poppea» war damals eine Sache üppigen Barocks. Jetzt ist Harnoncourt – mit einer Zwischenstation in Salzburg 1993, bei der er sich mit Jürgen Flimm als Partner verbündete – mit «Poppea» an die Limmat zurückgekehrt. Diesmal zeigt die Bühne eine sehr heutige Stadt, deren coole zweistöckige Nobelvilla Annette Murschetz erbaut und auf ein Rotationsplateau platziert hat, mit fließenden Übergängen zwischen den einzelnen Räumlichkeiten.
Auch wenn die Mode gewechselt hat (gefertigt von Heide Kastler in einer der schicken Boutiquen an der Bahnhofstraße) – die Gesellschaft ist sich absolut gleich geblieben: eine total depravierte hedonistische Spaßgesellschaft, die ihren jeweiligen Lüsten und Obsessionen frönt. Mit bestem Gewissen übrigens, weiß sie sich doch als ohnmächtiger Spielball der Götter, von denen Amor gleich im Prolog seinen beiden Kolleginnen Fortuna und Virtù klar macht, wer hier das Sagen hat.
Gleich geblieben ist auch der ganz aus der musikalischen Sprachdeklamation generierte Klangduktus der Produktion, der die Gesangslinien aus der ...
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Die Demonstranten haben ein gewichtiges Anliegen. Stumm betreten sie mitten im Finale des «Fidelio»-Finales die Bühne des Nationaltheaters Weimar und halten dem Publikum ihre selbst gemalten Plakate und Transparente entgegen: «Stirbt Thüringens größter Indoor-Fasching?» und «Rettet unsere Uni-Mensa!» lauten die Fragen und Forderungen, die ihnen auf der Seele...
So unterschiedlich die Aufnahmen in der kontinuierlich wachsenden Chandos-Reihe «Opera in English» auch im Einzelnen ausfallen mögen, eine Tugend haben sie alle gemeinsam: Sorgfalt. Leider ist Sorgfalt in der Oper eine Sekundärtugend und keine Garantie für das Außergewöhnliche, das plötzlich auflodernde «Alles oder Nichts», in dem alles andere unwichtig wird –...
Erfolg macht süchtig. Auch Komponisten. Zugleich schafft er Neider. Er provoziert den Vorwurf, dem Publikum entgegenzukommen, künstlerische und intellektuelle Anforderungen zu senken: Was vielen gefalle, könne keinen Anspruch mehr haben. Nur das schwer Zugängliche sei ästhetisch wertvoll und die Sensation lediglich ein Phänomen, das Soziologie und...
