Frauen vor Todeslandschaft
Eine Collage war George Bizets «Carmen» im Grunde von Anbeginn an. Ob Konstruktionsprinzip oder Konstruktionsfehler, darüber lässt sich bis in die Gegenwart trefflich streiten. Wobei deren Ästhetik Ersterem ja durchaus zugetan ist. Die durcherzählte, stilistisch homogene Geschichte hat in der Spätmoderne kaum noch Konjunktur, und das abgesehen davon, dass es im Grunde immer zwei Dinge waren, die den «Carmen»-Mythos seit der Uraufführung der Oper 1875 beflügelten: da der Sex-Appeal seiner Titelfigur, hier die Musik Bizets.
Popstar meets Popmusik.
Ob wohl Constanza Macras und Friedrich Nietzsche in ihrer Einschätzung dieses Werks Konsens darüber erzielt hätten? Angezogen fühl(t)en sich offenbar beide. Wobei der Philosoph weiland ein anderes Vokabular bediente, der Musik Liebenswürdigkeit unterstellte («sie schwitzt nicht»), sie zugleich aber auch als «böse, raffiniert, fatalistisch» taxierte, wie den Stoff selbst. Nietzsche erkannte darin den Beweis dafür, dass die Liebe Krieg sei, «in ihrem Grunde der Todhass der Geschlechter».
Von dieser Einschätzung ist Macras am Theater Basel nicht weit entfernt. Für ihre erste Operninszenierung hat die argentinische, in Berlin lebende ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Alexander Dick
Klangtüftler
Kein Zweifel, er ist ein Mann mit vielen Talenten. Torstein Aagaard-Nilsen hat nicht nur Trompete, Musiktheorie und Komposition studiert, sondern zudem Mathematik. Das alles verknüpft er in seinen Werken auch für das Musiktheater zu einem spannenden Ganzen. In Meiningen kommt nun die Ibsen-Vertonung «Gespenster» heraus. Wir fahren hin
Stimmakrobatin
In...
Herr Kohlhepp, war der Salzburger Manolios in Bohuslav Martinůs Oper «The Greek Passion» ein Schritt in Richtung neues Rollen-Biotop? Weil man nicht mehr so edelmütig bis passiv sein muss wie als Don Ottavio oder Tamino?
Ein Rollen-Image, das man vielleicht hat, sucht man sich nicht unbedingt selbst. Man hat ein gewisses Timbre, also werden einem automatisch...
Wer die dritte Aufführung der neuen «Carmen» an der Met erlebte, bekam wahrscheinlich einen besseren Eindruck von den Intentionen der Regisseurin Carrie Cracknell und des Dirigenten Daniele Rustioni als zur Premiere: Piotr Beczała, der vorgesehene Don José, hatte die ersten beiden Aufführungen krankheitsbedingt verpasst. Glaubt man den Kritiken und einer...
