Frauen vor Todeslandschaft

Constanza Macras gibt mit «Carmen» in Basel ein kämpferisches Debüt als Opernregisseurin, Maxime Pascal durchleuchtet kompromisslos Bizets Partitur

Opernwelt - Logo

Eine Collage war George Bizets «Carmen» im Grunde von Anbeginn an. Ob Konstruktionsprinzip oder Konstruktionsfehler, darüber lässt sich bis in die Gegenwart trefflich streiten. Wobei deren Ästhetik Ersterem ja durchaus zugetan ist. Die durcherzählte, stilistisch homogene Geschichte hat in der Spätmoderne kaum noch Konjunktur, und das abgesehen davon, dass es im Grunde immer zwei Dinge waren, die den «Carmen»-Mythos seit der Uraufführung der Oper 1875 beflügelten: da der Sex-Appeal seiner Titelfigur, hier die Musik Bizets.

Popstar meets Popmusik.

Ob wohl Constanza Macras und Friedrich Nietzsche in ihrer Einschätzung dieses Werks Konsens darüber erzielt hätten? Angezogen fühl(t)en sich offenbar beide. Wobei der Philosoph weiland ein anderes Vokabular bediente, der Musik Liebenswürdigkeit unterstellte («sie schwitzt nicht»), sie zugleich aber auch als «böse, raffiniert, fatalistisch» taxierte, wie den Stoff selbst. Nietzsche erkannte darin den Beweis dafür, dass die Liebe Krieg sei, «in ihrem Grunde der Todhass der Geschlechter».

Von dieser Einschätzung ist Macras am Theater Basel nicht weit entfernt. Für ihre erste Operninszenierung hat die argentinische, in Berlin lebende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Willkommen im Bretterrund

Im Freistaat Bayern gleicht die Kulturmomentan eher eine Ruinenlandschaft, jedenfalls bei den Opernhäusern: Das Staatstheater Augsburg, das Mainfranken Theater Würzburg und das Landestheater Niederbayern spielen in Ausweichquartieren, bei der Nürnberger Oper und beim Münchner Nationaltheater stehen ebenfalls Generalsanierungen an, das (Staats-)Theater Regensburg...

Der Geist der Utopie

Waltet hier Gottes Zorn? Tatsache ist: Der finale Sturm fegt den Erzvater samt seinen beiden Erben auseinander und zwingt sie, einen Unterschlupf vor der aufbrausenden Naturgewalt zu finden. Wie gut, dass der Alte den jungen Leuten zuvor seinen stattlichen Landbesitz vermacht hatte, damit dort die Versöhnung von Palästinensern und Juden gedeihen möge. Was aber...

Feministisch

Wer die dritte Aufführung der neuen «Carmen» an der Met erlebte, bekam wahrscheinlich einen besseren Eindruck von den Intentionen der Regisseurin Carrie Cracknell und des Dirigenten Daniele Rustioni als zur Premiere: Piotr Beczała, der vorgesehene Don José, hatte die ersten beiden Aufführungen krankheitsbedingt verpasst. Glaubt man den Kritiken und einer...