Märchenhaft
Göttinnen und Götter weisen den Weg. Antike Skulpturen schauen versteckt aus den lauschigen Nischen und Hecken eines veritablen Lustgartens heraus. Die Giardini di Boboli gleichen einem Gesamtkunstwerk des italienischen Gartenbaus. Oberhalb des Palazzo Pitti strecken sie sich den Hügel empor – allein das ein spettacolo, ein Paradebeispiel für jene Kultur der Augen, die hier spätestens seit der Renaissance in Kirchen, Kapellen und Palästen geradezu übersprudelte.
Michelangelo ist gewissermaßen omnipräsent, seine in makelloser, dennoch anatomisch naturalistischer Schönheit idealisierte Modellierung eines gekreuzigten Christus in der Kirche Santo Spirito gehört zu den unendlichen Entdeckungen, die Florenz im Spätsommer des Pandemiejahres 2020 so ganz ohne Anstehen vor Museumskassen und Eiscafés ermöglicht.
Es ist eine Fügung des Schicksals, dass hier, wo die Medici und zahllose Architekten das Boboli-Kleinod über Generationen immer prachtvoller ausbauten und die Camerata Fiorentina zeitgleich dank ein paar glücklicher Missverständnisse die Gattung Oper erfand, einmal mehr eine Renaissance stattfindet. Zwar nicht mit den kompositorischen und dichterischen Gründungsvätern Caccini, ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Peter Krause
Gibt es so etwas überhaupt? Eine «freundliche Einsamkeit» und «amouröse Brisen»? Nun ja, bei Wolfgang Amadé Mozart schon, genauer: in jenem zartgliedrigen, leuchtend-verträumten Accompagnato-Rezitativ aus «Idomeneo», das über einem liegenden A-Dur-Akkord anhebt und in der Folge einen samtenen Teppich aus sordinierten Streichern und Klarinetten webt, darauf die...
Die Staatsoper Unter den Linden eröffnet ihren Premieren-Reigen traditionell am Tag der Deutschen Einheit und wählt dafür gern ein symbolträchtiges Stück. In diesem Jahr war es Luca Francesconis «Quartett» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Heiner Müller. Der Dramatiker imaginiert darin die Hauptfiguren von Choderlos de Laclos’ Briefroman «Liaisons...
Der uralte Obsthain ist abgesperrt, der Garten ums Theater überwuchert. Dass man hierher nicht durch die Formschnittanlagen des Herrenhauses geleitet wird, sondern durch von Bauarbeiten verwüstete Brachen, sagt einiges. Dass hier überhaupt etwas stattfindet, aber auch. Festivalchefin Wasfi Kani war eine der ersten, die auf den britischen Inseln wieder etwas wagte,...
