Märchenhaft
Göttinnen und Götter weisen den Weg. Antike Skulpturen schauen versteckt aus den lauschigen Nischen und Hecken eines veritablen Lustgartens heraus. Die Giardini di Boboli gleichen einem Gesamtkunstwerk des italienischen Gartenbaus. Oberhalb des Palazzo Pitti strecken sie sich den Hügel empor – allein das ein spettacolo, ein Paradebeispiel für jene Kultur der Augen, die hier spätestens seit der Renaissance in Kirchen, Kapellen und Palästen geradezu übersprudelte.
Michelangelo ist gewissermaßen omnipräsent, seine in makelloser, dennoch anatomisch naturalistischer Schönheit idealisierte Modellierung eines gekreuzigten Christus in der Kirche Santo Spirito gehört zu den unendlichen Entdeckungen, die Florenz im Spätsommer des Pandemiejahres 2020 so ganz ohne Anstehen vor Museumskassen und Eiscafés ermöglicht.
Es ist eine Fügung des Schicksals, dass hier, wo die Medici und zahllose Architekten das Boboli-Kleinod über Generationen immer prachtvoller ausbauten und die Camerata Fiorentina zeitgleich dank ein paar glücklicher Missverständnisse die Gattung Oper erfand, einmal mehr eine Renaissance stattfindet. Zwar nicht mit den kompositorischen und dichterischen Gründungsvätern Caccini, ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Peter Krause
Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg...
Andreas Heinzmann gibt sich selbstbewusst: «Wir imitieren nicht, wir schaffen mit den vorhandenen Instrumenten die Kontraste neu!» Heinzmann ist Künstlerischer Leiter der in den ehemaligen Ritterwerken angesiedelten Pasinger Fabrik, des – sieht man vom Gastspielhaus Deutsches Theater ab – einzigen städtischen Opernbetriebs in München und des ihn beherbergenden...
«Ein Verbrechen, das einem die Krone bringt, ist keines.» Fast beiläufig lässt Lottario, der Enkel Karls des Großen, im Rezitativ diese Bemerkung fallen. Ein Credo – nicht nur seines, sondern dieser ganzen schrecklichen Familie, überhaupt all jener, deren Macht- und Besitzgeilheit sie über Leichen steigen lässt. Der Erste verröchelt schon am Boden, während George...
