Diana im Dschungelcamp
Von Zeit zu Zeit, und wenn der Lauf der Dinge wieder mal nicht so ist, wie er sein sollte, denkt der geschichtsbewusste Österreicher an den guten alten Kaiser Ferdinand I. mit dem Beinamen «der Gütige». Wobei Letzterer sich weniger auf des Regenten Wohltätigkeit als auf seine limitierten intellektuellen Fähigkeiten bezog. So soll er, mit der 1848er-Revolution der Studenten und Arbeiter konfrontiert, gefragt haben: «Ja, derfn s’ denn des?» (für Leser nördlich der Mainlinie: Dürfen die denn das?).
Dem einen oder anderen Besucher der diesjährigen November-Premiere im Theater an der Wien mag diese Frage ebenfalls auf den Lippen gelegen sein, da die holländische Regisseurin (und, dreimal schwarzer Kater, Meisterschülerin Peter Konwitschnys) Lotte de Beer Georges Bizets bittersüße Oper «Les Pêcheurs de perles» auf ihre heutige Aktualität befragte. Doch o Wunder, die Antworten, die sie fand, wurden dann von allen Lagern mehr oder weniger akzeptiert. Erstaunlicherweise selbst von jenen Leuten, die Oper gern ohne intellektuelle Belastungen wie eine TV-Schmonzette konsumieren würden.
Dies vielleicht auch deshalb, weil man das aufs Jetzt hin frisierte Regiekonzept nicht als Kritik an heutigen ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché
Es ist eine seit Jahrzehnten, erst auf Langspielplatte, dann auf CD vertriebene Referenzaufnahme: «Tannhäuser» wurde 1962 bei den Bayreuther Festspielen unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch mitgeschnitten, Wolfgang Windgassen sang die Titelpartie, Anja Silja die Elisabeth, Grace Bumbry war die berühmte «Schwarze Venus», Eberhard Wächter der Wolfram. Die...
Dem 1649 am Teatro San Cassiano in Venedig uraufgeführten «Giasone» war schon zu Francesco Cavallis Lebzeiten internationaler Erfolg beschieden. Warum fiel «Elena», die zehn Jahre später über die Bühne desselben Opernhauses ging, alsbald in einen 350-jährigen Schlaf? Angesichts des Triumphes bei ihrer «zweiten Uraufführung» 2013 auf dem Festival von Aix-en-Provence...
Wir meinen sie zu kennen. Halb Luder, halb Liebende. Mal femme fatale, mal femme fragile. Hier Luxusweib, dort Leidensfrau. Klar doch: Zwei Seelen wohnen, ach! in ihrer Brust; in rastlosem Dauerclinch, bis schließlich das Herz daran zerbricht – und das ihres mittellosen Galans gleich mit. So hat Abbé Prevost anno 1731 Manon Lescaut (und den Chevalier Des Grieux) in...
