Postapokalyptisch
Das Mittelmeer hieß im Römischen Reich mare nostrum, unser Meer, das Meer der Europäer. Wir sind nicht für jedes Leid der Welt zuständig. Für das Leid in unserem Meer sind wir zuständig. Wenn wir den Tod im Mittelmeer verhindern können, müssen wir ihn verhindern.» Das schrieb Jakob Augstein im Juli dieses Jahres im «Spiegel» in einem moralischen Appell unter dem Titel «Leben und sterben lassen».
Die Oper Köln hat den Satz im Programmheft zur Neuproduktion von Mauricio Kagels «Mare nostrum» abgedruckt – einer Art szenischen Kantate, in der es genau um jene Themen geht, die uns heute zum Thema «Mittelmeer» einfallen: Tod und Überleben, Machtdemonstration, Nationalismus, kulturelle Deutungshoheit – und vielleicht ein bisschen auch Solidarität.
Die Grundidee von «Mare nostrum», das von den Berliner Festwochen 1975 zum Thema «Musik des Mittelmeers» bestellt wurde, spiegelt die politische Atmosphäre der Zeit nach den Revolten von 1968 und das Interesse für die einstigen Kolonien in Afrika und Lateinamerika wider, ist aber zugleich eine aberwitzige, typisch Kagel’sche Geschichtsverdrehung. Was wäre gewesen, so fragte sich der von Buenos Aires nach Köln «emigrierte» Komponist, wenn nicht ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Michael Struck-Schloen
Es ist kaum zu glauben, aber unverrückbare Tatsache: Vor 82 Jahren stand Meyerbeers Meisterwerk «Les Huguenots» zum letzten Mal auf dem Spielplan der Pariser Oper. Dabei zählte das Werk, Inbegriff der Grand opéra, mit 1118 Vorstellungen seit der Uraufführung (1836) zu den meistgespielten Opern nach Gounods «Faust». Nach 1936 gab es nur sehr spärliche Versuche, den...
JUBILARE
Alfred Kuhn absolvierte seine Ausbildung an der Musikhochschule von Frankfurt/Main. Sein erstes Engagement führte ihn 1963 nach Darmstadt, wo der Bass 15 Jahre Ensemblemitglied war. 1978 wechselte er an die Deutsche Oper am Rhein, von 1983 bis 2012 gehörte er zum Ensemble der Bayerischen Staatsoper. Hier begeisterte er sein Publikum u. a. als Frank in...
Vielleicht ist der Zusammenhang zufällig. Aber der Auftrieb der nationalistischen Kräfte in Deutschland und ihre Versuche, die Geschichte des Rassismus nach ihrer Ideologie zu «korrigieren, scheint die Theater zu deutlichen Stellungnahmen zu animieren. Dazu gehört die Konjunktur von Viktor Ullmanns Kammeroper «Der Kaiser von Atlantis», die im Konzentrationslager...
