Porträts eines Flüchtigen
«Er war einfach nicht alltagstauglich», sagt ein Orchestermusiker: «Das wäre, als wenn man jeden Tag Pralinen fressen müsste.» Man kann Carlos Kleiber sensibler würdigen. Oder heroischer. «Er war der vollendete Vermittler zwischen Gott und den Menschen, was die Musik betrifft», posaunt Wiens ehemaliger Staatsoperndirektor Ioan Holender. Georg Wübbolt hat all diese gut gemeinten Hilflosigkeiten in seinem Dokumentarfilm über den großen Dirigenten dringelassen. Er hat alle vor die Kamera gebeten und gelassen, die meinten, etwas zum Thema Kleiber zu sagen zu haben.
Mehrere Musiker jeweils der Wiener und Berliner Philharmoniker, der Bayerischen Staatsoper und der Bayreuther Festspiele, dazu Intendanten, Dirigenten, Manager, Dramaturgen, Journalisten. Von der Sängerriege ist Ileana Cotrubas dabei. Sie darf, wie fast alle, nur jeweils einen oder zwei Sätze sagen. Statement reiht sich an Statement. Der Film ist simpel additiv auf Klein-Klein ausgerichtet, was bei einem Großen wie Kleiber kaum weiterführt. Zumal die Musik entschieden zu kurz kommt. Auch da bleibt es bei Schnipseln, die sofort wieder mit Text überblendet werden, kaum dass man Kleibers Atem mit den Ohren gegriffen hat.
Als ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 22
von Stephan Mösch
Schon nachvollziehbar, dass just diese Oper zu den Lieblingsstücken Adolf Hitlers gehörte. Denn jenseits der in ihrer schwermütigen Melodik und manchmal auch plakativen Machart an den italienischen Opernnaturalismus – Verismo – erinnernden Musik birgt die Fin-de-Siècle-Geschichte viel Treibstoff für eine «Blut und Boden»-Ideologie: Unverdorbener Junge – Pedro – aus...
Zwölf Jahre sind seit Robert Carsens und William Christies wundervoller «Alcina»-Produktion an der Pariser Oper nun schon vergangen. Und doch fühlte man sich jetzt an Renée Flemings damalige Leiden als machtlose Zauberin erinnert, die vor einer Phalanx makelloser Nackter in der Nacht ihrer Ohnmacht versank, welche ihr den Liebsten nicht mehr zurückholen konnte....
Es ist eine Berufung mit Planziel. Nicht nur, dass die Stadt mit ihrem neuen Intendanten Übliches vereinbart hat, im Fall von Ulf Schirmer zwei Premieren und bis zu 30 Dirigate pro Spielzeit. Zugleich erging auch ein inhaltlicher Auftrag: Die Leipziger Oper müsse zum Repertoire-Haus umgebaut werden. «Kein Stagione-Betrieb also», sagt der gerade Berufene, «weg auch...
