Porträts eines Flüchtigen
«Er war einfach nicht alltagstauglich», sagt ein Orchestermusiker: «Das wäre, als wenn man jeden Tag Pralinen fressen müsste.» Man kann Carlos Kleiber sensibler würdigen. Oder heroischer. «Er war der vollendete Vermittler zwischen Gott und den Menschen, was die Musik betrifft», posaunt Wiens ehemaliger Staatsoperndirektor Ioan Holender. Georg Wübbolt hat all diese gut gemeinten Hilflosigkeiten in seinem Dokumentarfilm über den großen Dirigenten dringelassen. Er hat alle vor die Kamera gebeten und gelassen, die meinten, etwas zum Thema Kleiber zu sagen zu haben.
Mehrere Musiker jeweils der Wiener und Berliner Philharmoniker, der Bayerischen Staatsoper und der Bayreuther Festspiele, dazu Intendanten, Dirigenten, Manager, Dramaturgen, Journalisten. Von der Sängerriege ist Ileana Cotrubas dabei. Sie darf, wie fast alle, nur jeweils einen oder zwei Sätze sagen. Statement reiht sich an Statement. Der Film ist simpel additiv auf Klein-Klein ausgerichtet, was bei einem Großen wie Kleiber kaum weiterführt. Zumal die Musik entschieden zu kurz kommt. Auch da bleibt es bei Schnipseln, die sofort wieder mit Text überblendet werden, kaum dass man Kleibers Atem mit den Ohren gegriffen hat.
Als ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 22
von Stephan Mösch
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