Polizeibericht, Kellerkomödie
Das leibhaftige Leben ist ja manchmal sowas von verismo (um nicht zu sagen abgeschmackt), dass es noch den ausgebufftesten Poeten rechts überholt. Zum Beispiel im Fall von Anna Sutter, der Starsopranistin am Stuttgarter Hoftheater, einer bejubelten Carmen und bewunderten Salome: erschossen vom eifersüchtigen – weil ehemaligen – Liebhaber, einem Hofkapellmeister. Der neue Lover, ein Bassbariton, verspürt in seinem Versteck aber auch keine Veranlassung, dem Schicksal in die Parade zu grätschen.
Über den Umweg von Alain Claude Sulzers Novelle «Annas Maske» ist die Geschichte wieder dort gelandet, wo sie hingehört: auf der Opernbühne, nicht weit entfernt von Anna Sutters Geburtsort Wil, in St. Gallen. Für David Philip Hefti hat Sulzer ein deutsches Libretto in zehn Szenen plus Prolog und Epilog geschrieben. Der Titel bezieht sich auf das Abnehmen der Totenmaske: Die Frau, die ihre Freiheit über alles liebte, kann sich nicht mehr wehren. Und also beginnt die Oper mit der sofortigen Kommerzialisierung ihres Ablebens. Glücklicherweise lässt es Sulzer dann aber auch gut sein mit tiefgründelnden Überhöhungen, penetrantem Psychologisieren oder rätselvollen Mehrdeutigkeiten. Und löst alle ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Clemens Prokop
Pforzheim feiert, mit gutem Grund. Man begeht den 250. Jahrestag der Eröffnung einer Uhrenmanufaktur. Lange Zeit war die Stadt im Schwarzwald ein Zentrum der Schmuckproduktion. Doch die meisten Jobs in dieser Industriesparte wurden seit den 1980er-Jahren abgebaut. Die Arbeitslosenquote ist die höchste in Baden-Württemberg.
Das hat Auswirkungen auch auf das...
Am Anfang die Gewissheit. Es wird kein gutes Ende geben. Schon während der Ouvertüre, noch bevor der erste Ton gesungen ist, steht Marie vor dem abgetrennten Kopf ihres Geliebten Cinq-Mars. Doch das ist die Zukunft im Jahre 1642. Das unausweichliche Ende des Stücks. Die Liebe wird zum Opfer der Macht.
Charles Gounods «Der Rebell des Königs», uraufgeführt 1877 in...
Mit seiner «Rosmonda d’Inghilterra» auf ein Libretto von Felice Romani, der die historische Geschichte von Henry II. und seiner Geliebten Rosamund de Clifford sehr frei behandelte, errang Gaetano Donizetti bei der Uraufführung (Florenz, Februar 1834) nicht mehr als einen Achtungserfolg. Noch zu seinen Lebzeiten verschwand das Stück von den Spielplänen. Erst im Zuge...
