Polizeibericht, Kellerkomödie
Das leibhaftige Leben ist ja manchmal sowas von verismo (um nicht zu sagen abgeschmackt), dass es noch den ausgebufftesten Poeten rechts überholt. Zum Beispiel im Fall von Anna Sutter, der Starsopranistin am Stuttgarter Hoftheater, einer bejubelten Carmen und bewunderten Salome: erschossen vom eifersüchtigen – weil ehemaligen – Liebhaber, einem Hofkapellmeister. Der neue Lover, ein Bassbariton, verspürt in seinem Versteck aber auch keine Veranlassung, dem Schicksal in die Parade zu grätschen.
Über den Umweg von Alain Claude Sulzers Novelle «Annas Maske» ist die Geschichte wieder dort gelandet, wo sie hingehört: auf der Opernbühne, nicht weit entfernt von Anna Sutters Geburtsort Wil, in St. Gallen. Für David Philip Hefti hat Sulzer ein deutsches Libretto in zehn Szenen plus Prolog und Epilog geschrieben. Der Titel bezieht sich auf das Abnehmen der Totenmaske: Die Frau, die ihre Freiheit über alles liebte, kann sich nicht mehr wehren. Und also beginnt die Oper mit der sofortigen Kommerzialisierung ihres Ablebens. Glücklicherweise lässt es Sulzer dann aber auch gut sein mit tiefgründelnden Überhöhungen, penetrantem Psychologisieren oder rätselvollen Mehrdeutigkeiten. Und löst alle ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Clemens Prokop
Mit seiner «Rosmonda d’Inghilterra» auf ein Libretto von Felice Romani, der die historische Geschichte von Henry II. und seiner Geliebten Rosamund de Clifford sehr frei behandelte, errang Gaetano Donizetti bei der Uraufführung (Florenz, Februar 1834) nicht mehr als einen Achtungserfolg. Noch zu seinen Lebzeiten verschwand das Stück von den Spielplänen. Erst im Zuge...
Vor vielen Jahren erregten zwei steile Kritiker-Sätze einigen Unmut: «Erst wenn meine Rezension erschienen ist, hat die Sache überhaupt stattgefunden.» Und: «Es gibt in einem Artikel nur eine wirklich wichtige Information: der Name des Autors.» Der diagnostische Bannfluch folgte prompt: eitle Hybris. Ganz falsch war das natürlich nicht – aber auch nicht unbedingt...
Man muss sich die Mitglieder der Richard-Wagner-Verbände als glückliche Menschen vorstellen. Aber wenn die vergangenen Jahre eines gezeigt haben, dann dies: Es wäre ein Fehler, sich darauf zu verlassen.
Um die Stimmung zu verstehen, die heute in der organisierten Anhängerschaft herrscht, muss man in der Verbandschronik ein paar Jahre zurückblättern. Etwa zum 21....
