Politshow
Von allen Werken Wagners bereitet der «Lohengrin» heute die größten Schwierigkeiten. Wagner hat hier ein Bündel an Motiven – Künstlerdrama, Polit-Parabel, Utopie einer herrschaftsfreien Gemeinschaft – zum Weltanschauungstheater vereint. Die ideologische Umpolung in der jüngsten Vergangenheit, bis hin zur Gleichsetzung des Schwanenritters mit Hitler, drohte das Stück vollends zu diskreditieren – umso mehr, als nicht nur der Stoff, sondern auch die Musik mit ihren Fanfaren und Aufmärschen zum Missbrauch einlud.
Tilman Knabe ist in seiner Deutung des Stücks am Mannheimer Nationaltheater nicht der Versuchung erlegen, sich auf die Seite des Rein-Menschlichen zu retten, sondern hat sich der szenisch nur schwer entwirrbaren Gemengelage von Ideologie und Politik
gestellt. Sein «Lohengrin» spielt in der Mediendemokratie von heute – in einem Fernsehstudio, in dem sich die Protagonisten theatralische Redegefechte liefern. Das mitspielende Volk ist auf die Zuschauerbänke verwiesen – es akklamiert, johlt, lacht und dies in einem Ausmaß, das immer wieder die Grenzen des musikalisch Zulässigen überschreitet und am Ende des ersten Akts in ein kollektives Besäufnis ausartet, bei dem Konfettiregen ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert
Mit realistisch ausgerichtetem Musiktheater würde man sich bei Mozarts «Idomeneo» mit seiner noch in vielem den Abläufen der alten Opera seria geschuldeten Form schwer tun. So verzichtete Kay Kuntze in seiner Bremer Regiearbeit denn auch auf wirklichkeitsgetreues szenisches Abbilden und verlegte sich auf eher rational durchgestaltete Bewegungsabläufe von...
Kaija Saariaho und ihr Librettist, der in Frankreich lebende libanesische Schriftsteller Amin Malouf, haben für ihre zweite, 2006 in Paris uraufgeführte Oper «Adriana Mater» einen aktuellen Stoff gewählt – die sexualisierte Gewalt im Krieg. Adriana wird von dem Soldaten Tsargo vergewaltigt, entschließt sich aber trotz des Widerstands ihrer Schwester Refka, das Kind...
Vergessen, Erinnern und Wiederentdecken gehören zum Rhythmus der Künste, gerade des Musiktheaters. Dass Pietro Mascagni, Komponist aus der Toskana in der Verdi- und Puccini-Nachfolge, der fast 20 Opernpartituren schrieb, nur mit dem schroffen Verismo seiner Jugendoper «Cavalleria rusticana» (1890) überleben soll, schien unabänderlich zu sein. Doch eroberte seine...
