Politikfreie Zone
Schon lange vor Corona habe ich im Internet regelmäßig die aufgezeichneten Opernpremieren von Palermo bis Buenos Aires verfolgt und die Livestreams der deutschsprachigen Opernhäuser und Festspiele wahrgenommen. Auch in der zurückliegenden Spielzeit habe ich kaum ein Angebot von «ARTE Concert» und «Opera Vision» ausgelassen und mich vor allem in Berlin und München gern zugeschaltet.
Aber das war dann doch nicht dasselbe wie vorher.
So sehr mir die Haltung dieser Theater imponiert hat, sich nicht kleinkriegen zu lassen, mit einer Geste des Dennoch-Schaffen-Wollens gegen Maßnahmen aufzubegehren, deren Sinn und Zweck nicht für alle einsichtig war, mich beschlich doch jedes Mal das Gefühl, durch eine Geisterstadt zu gehen. Und manchmal wurde ich den Eindruck nicht los, dass die Macher es auch genossen, so ein Riesenhaus einmal für sich allein zu haben, ohne die lästigen, oft quengeligen Zuschauerinnen und Zuschauer.
In der Bemühung, sich den Hygienebedingungen anzupassen (z. B. Kammermusik-Formationen statt großem Symphonieorchester einzusetzen wie beim Münchner «Rosenkavalier»), aber auch in der Entwicklung neuer Raumkonzepte waren diese Theater erfindungsreich. In dramaturgischer ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 124
von Ekkehard Pluta («klassik-heute», «operalounge», Berlin/Ulm)
Ein «sonderbar Ding» ist die Zeit, das wissen wir aus dem «Rosenkavalier» von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Thomas Mann nannte sie «wesenlos und allmächtig», auch das trifft es hervorragend. Blickt man nun zurück in das vergangene Spielzeit-Jahr, so kommt man nicht umhin, an diese beiden Zuschreibungen erinnert zu werden. Denn es ist in der Tat...
Lange noch dürfte sie in Erinnerung bleiben, diese überlange Spielzeit der Einschränkungen und Absagen, des Ausweichens, Umplanens und der Entschleunigung. Hinter uns liegt eine Phase oft ungewohnter Seh- und Hörerfahrungen, der Entzugserscheinungen und Ersatzhandlungen, der immer wieder neuen Hoffnungen oder Vertröstungen. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.
...Sie ist die vermutlich faszinierendste mythisch-mystische Figur der Kulturgeschichte: Medea, die zauberkundige, liebende, hassende, schließlich rasende Königstochter aus Kolchis. Mehr als 300 Anverwandlungen in Literatur, Bildender Kunst und Musik(theater) haben versucht, ihr Wesen, ihre Andersartigkeit, die schillernde Psychologie dieser Figur zu ergründen, und...
