Politikfreie Zone
Schon lange vor Corona habe ich im Internet regelmäßig die aufgezeichneten Opernpremieren von Palermo bis Buenos Aires verfolgt und die Livestreams der deutschsprachigen Opernhäuser und Festspiele wahrgenommen. Auch in der zurückliegenden Spielzeit habe ich kaum ein Angebot von «ARTE Concert» und «Opera Vision» ausgelassen und mich vor allem in Berlin und München gern zugeschaltet.
Aber das war dann doch nicht dasselbe wie vorher.
So sehr mir die Haltung dieser Theater imponiert hat, sich nicht kleinkriegen zu lassen, mit einer Geste des Dennoch-Schaffen-Wollens gegen Maßnahmen aufzubegehren, deren Sinn und Zweck nicht für alle einsichtig war, mich beschlich doch jedes Mal das Gefühl, durch eine Geisterstadt zu gehen. Und manchmal wurde ich den Eindruck nicht los, dass die Macher es auch genossen, so ein Riesenhaus einmal für sich allein zu haben, ohne die lästigen, oft quengeligen Zuschauerinnen und Zuschauer.
In der Bemühung, sich den Hygienebedingungen anzupassen (z. B. Kammermusik-Formationen statt großem Symphonieorchester einzusetzen wie beim Münchner «Rosenkavalier»), aber auch in der Entwicklung neuer Raumkonzepte waren diese Theater erfindungsreich. In dramaturgischer ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 124
von Ekkehard Pluta («klassik-heute», «operalounge», Berlin/Ulm)
Sie konnten nur selten miteinander, vor allem aber nicht ohne einander. Seitdem es die Gattung Oper gibt, suchten Komponisten (gerne auch mal verzweifelt) nach Librettisten, die geeignet waren, ihre (also: der Komponisten) Visionen mit Text gleichsam zu «unterfüttern», zu beleben, zu erleuchten. So manches Genie war darunter, man denke nur an den großen Metastasio...
Hat alles nichts gebracht: die echten Flüchtlinge auf der Bühne; die Kinder aus Afrika, die Armut beglaubigen sollten, obwohl sie aus einer intakten, gar nicht so armen Familie kamen; die Nutten, Nutten und abermals Nutten, die der alten, elitären Oper mehr street credibility verschaffen sollten. Völlig nutzlos! Von der Relevanz, die mit diesen «Einfällen» des...
Ein guter Regisseur zeichnet sich, wie ebenfalls ein guter Dramatiker, dadurch aus, dass er die Wirklichkeit vermittels einer Fabel zu überhöhen weiß. Einem großen Regisseur gelingt es zudem, die Protagonisten dieser Fabel zu radikal authentischen (und autonomen) Bühnengestalten zu formen. Lorenzo Fioroni kann das, das zeigte sowohl seine Inszenierung von Dusapins ...
