Pavlo Tolstoy (Doman); Foto: Bartek Barczyk
Polens Atlantis
Im Jahr 1919 wurde der polnische Staat von den Siegermächten wiederhergestellt und mit einem Korridor zur Ostsee versehen. Als fünf Jahre darauf Feliks Nowowiejskis «Legenda Bałtyku» (Baltische Legende) in der nun wieder Poznań genannten Stadt über die Bühne ging, feierten nationalkonservative Kreise das Stück, in dem das versunkene Vineta beschworen wird, als «Symbol unserer maritimen Bestrebungen».
Kritische Intellektuelle machten sich über diese Deutung lustig; sie behaupteten, es handele sich lediglich um eine Bearbeitung der deutschsprachigen Oper «Der Kompass», die in Deutschland nie aufgeführt und vom Autor deswegen, nämlich aus Rache, in eine polnische Nationaloper verwandelt worden sei. Tatsächlich unterhielt der aus Ostpreußen stammende Feliks Nowowiejski enge Kontakte zu Berlin, hatte dort studiert, sein weltweit erfolgreiches Oratorium «Quo vadis» komponiert, diverse Preise gewonnen und ab 1914 sogar Militärkapellen geleitet. Eine Gedenktafel im Stadtteil Moabit erinnert noch heute an seinen langjährigen Wohnort. 1918 kehrte er nach Poznań zurück. Der polnische Vater war ihm fortan wichtiger als die deutsche Mutter. Mit Bearbeitungen von Volksliedern aus Warmien, dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Volker Tarnow
Zwei Orpheus-Opern aus dem frühen 17. Jahrhundert: Auf der einen Seite Monteverdis favola in musica «L’Orfeo» aus dem Jahr 1607, ein früher Höhepunkt der noch jungen Gattung, auf der anderen Luigi Rossis gleichnamige tragicomedia, die 40 Jahre später am Pariser Hof zur Uraufführung gelangte und als von Kardinal Mazarin bewusst gesetzte Geste einer Italianisierung...
Das Kultbuch vom «Cornet» mit seiner rauschhaften Mischung aus virtuoser Sprachkunst und Kitsch, schwüler Erotik und poetischer Einbildungskraft hat immer wieder Komponisten angezogen. Casimir von Pászthory hat es noch zu Lebzeiten Rainer Maria Rilkes als Melodram vertont, Siegfried Matthus 1985 sogar veropert. Am seltsamsten mutet die fast zeitgleiche...
Herr Appl, Ihr Terminkalender ist voll mit Liederabenden. Operntermine finden sich gar keine. Interessiert Sie das Genre nicht?
Doch, absolut. Ich habe während des Studiums den Schwerpunkt eigentlich eher auf Oper gelegt, in München an der Theaterakademie studiert, danach in London einen Opernkurs besucht. Aber durch die intensive Zusammenarbeit mit Dietrich...
