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Orfeo in Frankreich

Monteverdis favola in musica unter Paul Agnew, Rossis tragicomedia unter Raphaël Pichon

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Zwei Orpheus-Opern aus dem frühen 17. Jahrhundert: Auf der einen Seite Monteverdis favola in musica «L’Orfeo» aus dem Jahr 1607, ein früher Höhepunkt der noch jungen Gattung, auf der anderen Luigi Rossis gleichnamige tragicomedia, die 40 Jahre später am Pariser Hof zur Uraufführung gelangte und als von Kardinal Mazarin bewusst gesetzte Geste einer Italianisierung der französischen Kultur nicht nur künstlerisch, sondern auch politisch größtes Aufsehen erregte.

Während Monteverdis Oper seit Jahrzehnten in den unterschiedlichsten Realisierungen zu erleben ist, sind Begegnungen mit Rossis so ganz anders konzipiertem Werk selten. Das mag zum einen an der schütteren Quellenlage liegen, doch auch die enorme Länge des Stücks, das ungestrichen rund sechs Stunden dauern würde, könnte ein Grund für die Zurückhaltung von Interpreten sein.

Die niederländische Regisseurin Jetske Mijnssen und der junge französische Dirigent Raphaël Pichon haben für die in Nancy aufgezeichnete Produktion beherzt gestrichen und gerafft, die Mehrzahl der intrigierenden Götter des Originals verbannt und Nebenhandlungen reduziert. Erhalten blieben aber Figuren wie Euridices Vater Endimione, komische Kontrastgestalten ...

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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Thomas Seedorf

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