Glaube, Liebe, Strenge

Als Walter Braunfels, von den Nazis mundtot gemacht, am Bodensee an den «Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna» arbeitete, hatte er einen einzigen Schüler, der ihn regelmäßig besuchte – den Komponisten und Dirigenten Frithjof Haas. In seinem anlässlich der Berliner Bühnenpremiere der «Jeanne d’Arc» im Herbst 2007 geschriebenen Text zeichnet Haas das subjektive Porträt eines Menschen, der sein Leben verändern sollte.

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Ich hatte das Glück, als Schüler von Walter Braunfels und Freund seiner Familie von 1937 bis 1943 das Entstehen der Oper über die Heilige Johanna aus unmittelbarer Nähe zu erleben. Diese Erlebnisse haben mich als werdenden Musiker tief geprägt und sind mir bis heute stets lebendig gegenwärtig. Als Schüler des Gymna­siums der Schule Schloss Salem befreundete ich mich mit meinem Klassenkameraden Stephan Braunfels, dem jüngsten Sohn des Komponis­ten, der ebenso wie ich täglich von Überlingen nach Salem fuhr.

Er brachte mich zu seinem Vater, der sich kurz zuvor am Bodensee zwischen Überlingen und Sipplingen auf dem sogenannten Rosenberg oberhalb der Süßenmühle in idyl­lischer Abgeschiedenheit niedergelassen hatte. Unter der Anleitung von Walter Braunfels reifte ich in diesen Jahren zum Pianisten und Dirigenten.
Als ich zum ersten Mal, geleitet von meinem Freund, dem Komponisten begegnete, jagte mir die mächtige Erscheinung des ergrauten Herrn gehörigen Respekt ein. Doch da er mich mit seinen gütigen Augen sehr freundlich aufforderte, ihm etwas vorzuspielen, fasste ich Mut und spielte das Italienische Konzert von Johann Sebastian Bach. Ich war überzeugt, dass ich das Stück sehr gut ...

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Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 50
von Frithjof Haas

Vergriffen
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