Pochende Herzen, heulende Hunde, russische Mafiosi
Klingt gut. Kurze Stücke zeitgenössischer Komponisten, frisch aus dem Laptop, professionell produziert. Zeitopern für Leute, die mit Covent Garden eher Gaukler, Straßenmusikanten und Cafés als die Stars im hohen Haus assoziieren. Einer solchen Klientel kann man nicht mit Adès oder Birtwistle kommen, glaubt das fürs Linbury, die Werkstattbühne der Royal Opera, verantwortliche ROH2-Team um Alison Duthie. Man will sie aber haben.
Und legte in der vergangenen Spielzeit deshalb unter dem knalligen Motto «Operashots» ein Programm auf, das vor allem mit etablierten Namen aus Pop, Film und Fernsehen lockt. Stewart Copeland zum Beispiel, der für die Reihe Edgar Allan Poes Gruselstory «Das verräterische Herz» zu einem 35-Minuten-Kammerspiel verarbeitete, war Mitgründer und Drummer der New-Wave-Band The Police. Terry Jones, Autor und Regisseur des «Doctor’s Tale», mischte im legendären Komiker-Septett «Monty Python’s Flying Circus» mit. Die Noten zu seiner Moral-Groteske steuerte Anne Dudley bei, eine in England höchst erfolgreiche Arrangeurin, die unter anderem Songs für Paul McCartney, Elton John oder die Pet Shop Boys aufpeppte und Soundtracks schreibt. Easy does it, doesn’t it?
Bisher ist ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Albrecht Thiemann
Müssen wir in Ildebrando Pizzettis 1958 an der Scala uraufgeführter Oper nach T. S. Eliots Schauspiel «Murder in the Cathedral» ein vergessenes Meisterwerk wiederentdecken? Die Verantwortlichen der Frankfurter Inszenierung – der Regisseur Keith Warner, der Dirigent Martyn Brabbins und der Protagonist John Tomlinson – sagen ja und führen mit ihrer verstörend...
Lieber Aribert Reimann,
sehr verehrte Damen und Herren,
der Zufall kann ein kluger Gefährte sein. Je näher der Termin der heutigen Laudatio rückte, desto häufiger beschlich mich ein Wort aus Bachs «Johannes-Passion». Es findet sich zu Beginn eines kontemplativen Bass-Ariosos und klingt fast wie Mörike: «Betrachte, meine Seel’, mit ängstlichem Vergnügen». Vergnügen...
Julia Lezhneva besitzt eine Stimme, die einen beim ersten Ton elektrisiert. Besonders wenn man das melancholisch-samtige Timbre slawischer Sängerinnen mag. «Sopran» steht auf dem Cover ihrer ersten Recital-CD. Dafür klingt die Stimme erstaunlich dunkel. Es ist eher ein leichter, beweglicher Mezzo mit Höhe: eine geborene Rossini-Sängerin, zumal die Koloraturen voll,...
