Plurale Identitäten
Bescheiden war Felix Weingartner, Edler von Münzberg, kaum – auch wenn er das «von» und damit den Hinweis auf seine adelige Herkunft schon bald aus dem Namen strich. Geboren wurde er 1863 in Dalmatien, rechnete sich zur stolzen k. u. k.-Elite. Er beschäftigte zeitlebens Dienstpersonal, fühlte sich, während das Kaiserreich gerade im Ersten Weltkrieg zerbrach, am Genfer See besonders wohl, heiratete fünf Frauen, von denen die letzte seine Enkelin hätte sein können.
Vor allem beglückte er die Welt mit seinen Werken, darunter zehn Opern (über Themen wie «Kain und Abel»), sieben Symphonien, weitere Orchesterwerke, Kammermusik. Nebenbei entstand über Jahrzehnte ein fünfteiliger Dramenzyklus für die Sprechbühne: «ein Festspiel in reiner Form», so die Selbsteinschätzung. Einem musenfernen Publikum wurde Weingartner als esoterisch angehauchter Schriftsteller bekannt, Musikfreunde dagegen verachteten ihn lange als den Mann, der Gustav Mahler an der Wiener Staatsoper nachfolgte und dessen Hinterlassenschaft als «zerrissenen Rock» bezeichnete. Weingartner war vieles: Komponist, Kapellmeister, Operndirektor, Pianist, Regisseur, Autor, Lehrer, Philosoph, Herausgeber, Bearbeiter. Aber wer und was ...
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