Raster der Welt

An Covent Garden startet der achte «Ring» seit 1946. Bryn Terfel singt seinen ersten ­Wotan. Doch szenisch enttäuscht «Das Rheingold» mit geliehenen Stereotypen.

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Dass Großbritannien ein Paradies für Exzentriker jedweder Couleur sei, ist keineswegs bloß ein wohlfeiles Klischee. Wohl in keinem zweiten Land der Alten Welt werden private Marotten, bizarre Gebräuche und Umständlichkeiten im öffentlichen Leben mit einer so weitherzigen, selbstverständlichen Toleranz bedacht (und zum Gegenstand eines er­frischend selbstironischen Humors) wie im Vereinigten Königreich. Doch eine Eigenart dürften die Untertanen der Queen kaum als lässliche Schrulle durchgehen lassen – germanophile Neigungen.

Deutsche Kultur und Lebensart stehen, zumal nach den Erfahrungen der Weltkriege, nach wie vor unter Generalverdacht, zumindest hinter vorgehaltener Hand: Wer weiß schon, wann die Teutonen das nächste Mal durchknallen.
Um so erstaunlicher wirkt das en­thusiastische Inte­resse, das man auf der Insel ausgerechnet einer Symbolfigur deutscher Leitkultur wie Richard Wagner entgegenbringt. Nicht nur, dass sich das Virus seiner buchstäblich sagenhaften Opern lange vor den Katastrophen des 20. Jahrhunderts auf der anderen Seite des Kanals ausgebreitet hatte – was nicht zuletzt die berühmten Wagner-Texte George Bernard Shaws bezeugen. Gut hundert Jahre später scheint die ...

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Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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