Raster der Welt
Dass Großbritannien ein Paradies für Exzentriker jedweder Couleur sei, ist keineswegs bloß ein wohlfeiles Klischee. Wohl in keinem zweiten Land der Alten Welt werden private Marotten, bizarre Gebräuche und Umständlichkeiten im öffentlichen Leben mit einer so weitherzigen, selbstverständlichen Toleranz bedacht (und zum Gegenstand eines erfrischend selbstironischen Humors) wie im Vereinigten Königreich. Doch eine Eigenart dürften die Untertanen der Queen kaum als lässliche Schrulle durchgehen lassen – germanophile Neigungen.
Deutsche Kultur und Lebensart stehen, zumal nach den Erfahrungen der Weltkriege, nach wie vor unter Generalverdacht, zumindest hinter vorgehaltener Hand: Wer weiß schon, wann die Teutonen das nächste Mal durchknallen.
Um so erstaunlicher wirkt das enthusiastische Interesse, das man auf der Insel ausgerechnet einer Symbolfigur deutscher Leitkultur wie Richard Wagner entgegenbringt. Nicht nur, dass sich das Virus seiner buchstäblich sagenhaften Opern lange vor den Katastrophen des 20. Jahrhunderts auf der anderen Seite des Kanals ausgebreitet hatte – was nicht zuletzt die berühmten Wagner-Texte George Bernard Shaws bezeugen. Gut hundert Jahre später scheint die ...
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Verzwickt ist diese Causa, von ridiküler Narretei nicht frei und durchaus typisch für das politisch problematische Verhältnis zweier Nationen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und am allerwenigsten die Protagonisten selbst waren es, die den Fall «Salomé» in jenen Bereich des Zwischenmenschlichen hinabzwängten, wo man sich nur noch eines wünscht: Fiat justitia,...
s ist kalt in Frankfurt. Knappe zehn Minuten nur dauert der Weg vom Hauptbahnhof bis zum Schauspielhaus: weißlicher Atemhauch aus Trinkerkehlen, blinkende Sex-Shop-Leuchtschriften, misstrauisch dreinblickende Passanten und gierige Krähen, die sich um halbverzehrte Döner balgen. Gefrorene Herzen, einsames Elend der Heruntergekommenen. Und vorbeieilende Banker dazu,...
Zwei Werke, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben, Tschaikowskys lyrische Szenen «Eugen Onegin» und Richard Strauss’ Musikdrama «Elektra», rückten bei einer Doppelpremiere an der Deutschen Oper am Rhein nahe aneinander. Beide Male sind es Alpträume der weiblichen Hauptfiguren, mit denen die Regisseure – Giancarlo del Monaco im «Onegin» und Stein...
