Perfekt ist uninteressant

Ihre Stimme hat jenen ganz eigenen Bernstein-Ton, auf der Bühne vibriert Kate Lindsey nur so vor konzentrierter Energie. Das Nachwuchsprogramm der New Yorker Met katapultierte die amerikanische Mezzosopranistin vor Jahren nach oben, seitdem hat sich die 39-Jährige vor allem in Hosenrollen etabliert, zuletzt furios in Olga Neuwirths «Orlando» an der Wiener Staatsoper. Höchste Zeit für ein Gespräch

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Kate Lindsey, Anfang März standen Sie noch als Nero auf der Bühne der Met. Wo sind Sie gerade?
Zu Hause in Brighton, zum Glück. Die «Agrippina» war am 7. März abgespielt, am 12. stellte das Haus den Betrieb ein. Mein Mann und ich wollten eigentlich in den USA bleiben, weil drei Wochen später schon die Proben für «Pelléas et Mélisande» in Los Angeles losgehen sollten. Unser Haus in England hatten wir vermietet. Aber die Lage wurde immer unübersichtlicher. New York erstarrte, man konnte überall die Furcht spüren.

Immer mehr Länder schlossen ihre Grenzen, sodass wir uns Sorgen machten, nicht mehr nach Europa zu kommen. Also packten wir die Koffer – zum Glück hatten unsere Mieter in Brighton es auch eilig, abzureisen. Ich bin dann mit meinem kleinen Sohn noch einmal zum Lincoln Center spaziert. «Da singt Mama!», krähte Finn, und zeigte auf die Met. Mama hat hier gesungen, dachte ich. Die Plaza war wie leergefegt. Verstummt das musikalische Herz Manhattans. Mich traf das wie ein Schlag. Wie lange, bis hier, bis überhaupt irgendwo wieder gespielt werden darf? Und wie verändert sich bis dahin unsere Welt?

Wie sieht der Rhythmus Ihrer Tage aus? Die Regeln für den «Hausarrest» gehen in ...

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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Interview, Seite 44
von Wiebke Roloff Halsey

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