Perfekt ist uninteressant
Kate Lindsey, Anfang März standen Sie noch als Nero auf der Bühne der Met. Wo sind Sie gerade?
Zu Hause in Brighton, zum Glück. Die «Agrippina» war am 7. März abgespielt, am 12. stellte das Haus den Betrieb ein. Mein Mann und ich wollten eigentlich in den USA bleiben, weil drei Wochen später schon die Proben für «Pelléas et Mélisande» in Los Angeles losgehen sollten. Unser Haus in England hatten wir vermietet. Aber die Lage wurde immer unübersichtlicher. New York erstarrte, man konnte überall die Furcht spüren.
Immer mehr Länder schlossen ihre Grenzen, sodass wir uns Sorgen machten, nicht mehr nach Europa zu kommen. Also packten wir die Koffer – zum Glück hatten unsere Mieter in Brighton es auch eilig, abzureisen. Ich bin dann mit meinem kleinen Sohn noch einmal zum Lincoln Center spaziert. «Da singt Mama!», krähte Finn, und zeigte auf die Met. Mama hat hier gesungen, dachte ich. Die Plaza war wie leergefegt. Verstummt das musikalische Herz Manhattans. Mich traf das wie ein Schlag. Wie lange, bis hier, bis überhaupt irgendwo wieder gespielt werden darf? Und wie verändert sich bis dahin unsere Welt?
Wie sieht der Rhythmus Ihrer Tage aus? Die Regeln für den «Hausarrest» gehen in ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Interview, Seite 44
von Wiebke Roloff Halsey
Herr Mathmann, Sänger – das ist eigentlich Ihr zweiter Beruf. Wann kündigte sich die musikalische Begabung an?
Zuerst war Musik! Das Singen kam sogar vor dem Sprechen. Meine Mutter erzählt, dass ich schon Melodien sang, bevor ich die ersten Worte sagen konnte. Mit drei Jahren habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Aber nach der Schule hatte die Medizin Priorität....
Es begann als ein Ding in weiter Ferne. Irgendwo in China. Wir hatten schon früher von solchen Dingen gehört. Von Viren, die auf Menschen überspringen, auf Freiluftmärkten, wo Tiere, von denen wir noch nie gehört hatten, geschlachtet und verkauft wurden. Das hatten wir schon mal gehört. Dann hörten wir etwas anderes. Von Experimenten an Fledermäusen und von einem...
Entschleunigung
Die Frage steht im Raum: Wie wirkt sich die durch Corona erzwungene Entschleunigung des Lebens auf unsere Event-durchflutete Gesellschaft aus? Was bedeuten die weit-reichenden Notstandsverordnungen für die Kultur und ihre Triebkräfte – die Künstler? Überlegungen des Philosophen und Soziologen Christoph Türcke sowie des Juristen und passionierten...
