Pathos und Eigensinn
Rückblende: Als Kirsten Harms im Oktober 2006 an der Deutschen Oper Berlin Alberto Franchettis 1902 uraufgeführte und nach einigen Jahren vergessene Revolutionsoper «Germania» wieder auf die Bühne brachte, fiel das kritische Urteil in der Tagespresse vernichtend aus. Zu den wenigen Stimmen, die damals widersprachen, gehörte diese Zeitschrift (siehe OW 12/2006) – und der Schriftsteller Helmut Krausser, ein bekennender Opern- und Italien-Fan («Der große Bagarozy», «Melodien», «Die kleinen Gärten des Maestro Puccini»).
«Mitreißend und absolut eigenartig» sei dieses Stück, schrieb er unter dem Eindruck der Berliner Aufführungen, «ein großer Wurf».
Die Begegnung mit Franchetti, Spross einer der reichsten Familien Italiens – Vater Raimondo hatte mit dem Bau des italienischen Eisenbahnnetzes ein Vermögen verdient –, ließ Krausser nicht mehr los. Er wollte nun genau wissen, wer die Musik des unerhörten Deutschland-Dramas auf einen Text des Puccini-Librettisten Luigi Illica geschrieben hatte. Und stieß bei der Spurensuche auf eine schillernde Figur, die kein Romancier hätte besser erfinden können – einen Komponisten, der um die Wende zum 20. Jahrhundert so erfolgreich war wie der nur zwei ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 29
von Albrecht Thiemann
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