Blutopfer und Führerkult
Claus Guth hat seinen Grundansatz in letzter Zeit kaum variiert. Missbrauch, Dekadenz oder mentale Instabilitäten waren Leitmotive seiner Inszenierungen. Wer da an was oder wem litt, wurde in aller Deutlichkeit vorgeführt. Nun, beim neuen «Parsifal» in Barcelona, findet sich zwar wieder das bekannte großbürgerliche Ambiente. Doch aufs bekannte Guth-Schema lässt sich der Abend nicht reduzieren. Er arbeitet mit gezielter Unklarheit. Die Inszenierung stellt dem mitdenkenden Rezipienten Fallen, sie schlägt Haken und führt auf Irrwege.
Hohe Aufmerksamkeit erfordert allein das sich ständig drehende Bühnenbild von Christian Schmidt, ein Konglomerat aus Wohn- und Schlafräumen, Salons, Treppen. Alles wirkt abgenutzt, beschädigt, verletzt. Es sind Un-Orte, in denen verlorene Subjekte hausen (die Kostüme verweisen aufs Fin de Siècle).
Während des Vorspiels sieht man in diffusem Licht eine Szene häuslicher Gewalt. Ein Konflikt zwischen Vater und Sohn endet mit zerbrochenem Geschirr und einer zugeschlagenen Tür. Diese Antibeziehung zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend, wobei im ersten Aufzug etwas Ungeheures geschieht: Titurel vollzieht die Gralszeremonie und benötigt dafür das reale ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jörn Florian Fuchs
Herr Behle, mit Ihrer Aufnahme der «Schönen Müllerin» stellen Sie sich dem Vergleich mit den größten Liedinterpreten von Fritz Wunderlich bis Peter Schreier. So etwas macht man doch nur, wenn man glaubt, etwas ganz Eigenes zu diesem Zyklus zu sagen zu haben.
Dass es von mir bereits zwei Liedeinspielungen gibt, hat natürlich erstmal ganz praktische Gründe: Ein...
Die Opera North ist inzwischen die einzige britische Kompanie außerhalb Londons, die es richtig macht: Sie hat zwar kein eigenes Ensemble, besetzt die Rollen jedoch aus einem Pool von Künstlern, die dem Publikum bekannt sind. Außerdem hat sie ein breit gefächertes Repertoire inklusive neuer Werke auf dem Spielplan und verpflichtet größtenteils anerkannte...
Über ihre darstellerische Identifikation mit der Rolle lässt sich nichts sagen. Wohl aber etwas über ihre sängerische. Anja Harteros gab ihr Rollendebüt als Leonora in Verdis «Trovatore», steckte aber nicht im Kostüm. Denn die Kölner Oper hat das Werk konzertant angesetzt, nicht im Stammhaus, sondern in der nahe gelegenen Philharmonie, die rechtzeitig als eine von...
