Pariser Leben
Kommt man nach einiger Zeit wieder nach Paris, so ist man erneut gepackt von der Schönheit, Pracht, Vitalität und Dynamik der Stadt. Die trostlosen Fernsehbilder menschenleerer Straßen während des Lockdowns noch im Gedächtnis, ist man schier perplex, wie rasant das öffentliche Leben wieder Fahrt aufgenommen hat, nicht nur im gewohnt tosenden Verkehr. Auch die Restaurants sind gut gefüllt. Die Maskenpflicht freilich wird weitgehend erfüllt. Und ein Eindruck wird nicht minder bestätigt: Das architektonische Nebeneinander von Mittelalter, Renaissance, 19.
Jahrhundert, Moderne und quasi futuristischer Gegenwart dürfte in kaum einer anderen Metropole überboten werden. Ein Beispiel: das gigantisch geschwungene Dach des Forum des Halles (2016) und die spätgotische Kirche St. Eustache. Les extrèmes se touchent.
Walter Benjamins «Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts» hatte nicht anlasslos zur Reise bewogen, galt es doch, gleich zwei für Frankreich zentrale Zentenarjubiläen zu feiern: den 200. Todestag Napoleons und den 100. von Camille Saint-Saëns. Bonaparte und den ungemein vielseitigen nachromantischen Klassizisten und kompositorischen «Alleskönner» zusammenzubringen, hatte indes nicht nur ...
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Opernwelt August 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Gerhard R. Koch
Schon Tonart und Taktart verheißen viel Gutes. In lichtdurchflutetes G-Dur kleidet Händel die Arie seiner Titelheldin kurz vor Ende des zweiten Akts von «Rodelinda, Regina de’Longobardi» und wählt dazu einen sanft schaukelnden 12/8-Takt. Und so wiegt sie ihren Kopf hin und her, die Königin, und hofft, der Geliebte möge bald schon an ihrer Seite sein: «Ritorna, o...
Im großen Repertoire blieb «Notre Dame» stets eine Randerscheinung. Umso verdienstvoller, dass die vom Theater St. Gallen traditionell zum Spielzeitende durchgeführten Festspiele die 1903 abgeschlossene Oper von Franz Schmidt nach dem Roman von Victor Hugo ans Licht zogen. Tatsächlich konnte das Festival, dessen Herzstück eine auf dem Platz vor der St. Galler...
Der Abschied war, im ursprünglichsten Sinne des Wortes: fürstlich. Gefeiert wurde er mit einer Gala, einem opulenten Bildband (dessen Titel «Zur Freude und Erhebung» in überschaubarer Bescheidenheit die in goldenen Lettern auf dem Giebel des Meininger Theaters verewigte Huldigung an Herzog Georg II. zitiert, der den Musentempel vor gut 200 Jahren gegründet hatte)...
