Auf der Wippe
Der Zwangseintritt in ein Kloster war im 18. Jahrhundert das Los vieler «überzähliger» Töchter, für die ihre Familien keine Mitgift aufbringen konnten (oder wollten). Die Konvente waren voll von Frauen, die dort ohne jede geistliche Berufung ihr Leben quasi in Haft verbrachten. Der viel kritisierte Materialismus der Manon hat also eine nachvollziehbare Ursache: Er ist das Mittel, mit dem sie sich diesem grausamen Schicksal zu entziehen sucht.
In vergleichbare Zwangslagen geraten junge Frauen heute nur mehr in Ausnahmefällen.
Umso mächtiger wirken Identifikationsangebote und Rollenvorbilder, die ihnen Werbung und Medien aufdrängen – in Deutschland zum Beispiel die TV-Show «Germany’s Next Topmodel». In Italien träumen Tausende junger Frauen davon, eine Velina zu werden, eines der spärlich bekleideten Showgirls in Berlusconis Privatfernsehen. Eine Transposition der Manon-Geschichte in die Gegenwart kann also durchaus sinnvoll sein.
Christine Mielitz’ Bonner Inszenierung scheint am Anfang so etwas anzudeuten: Statt auf einer Postkutschenstation befinden wir uns auf einem modernen Airport; die Kleidung verweist aufs Hier und Heute. Dann aber verflüchtigt sich das Welthaltige immer mehr ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Ingo Dorfmüller
Viel Platz ist nicht im Graben des Hallenser Opernhauses. Und hier Wagner? Ja, denn dieser «Ring» ist eine Herzensangelegenheit von Karl-Heinz Steffens, Chefdirigent sowohl in Halle als auch in Ludwigshafen. Dass auch hier Großes entstehen kann, will Steffens zeigen. Und er löst sein Versprechen ein. Der Klang dieser «Walküre» ist von wundersamer Präsenz. Auf zwei...
ARTE
2./8./14.11. – 6.00 Uhr
Valeriy Sokolov spielt Bartók.
Film von Bruno Monsaingeon. Mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter David Zinman.
4./10.11. – 6.00 Uhr
Pierre-Laurent Aimard
spielt Liszt. Klavier-Festival Ruhr 2011.
6.11. – 11.05 Uhr
16.11. – 6.05 Uhr
22./28.11. – 6.00 Uhr
Prokofjew – Das unvollendete Tagebuch.
Dokumentation von Yosif Feyginberg.
6.11. – 19.15 Uhr
...
Robert Wilsons Anhänger beteuern gern, dass der Regisseur in den Opern, die er inszeniere, Tiefenschichten freilege und aktuelle Themen entdecke. Man könnte aber auch sagen, dass der Texaner in seinen Bildern alles bis zum Gefrierpunkt herunterkühlt in seinem Streben nach ritueller Ungerührtheit, wie sie der griechischen Tragödie eigen war – und der Liturgie der...
