Pädagogisch wertvoll

Henrik Albrechts Kinderoper «Ritter Parceval» in Berlin

Opernwelt - Logo

Es gibt diese Geschichten. Geschichten, die so gehaltvoll ausgezirkelt, so zeitlos verrätselt sind, dass man sie immer wieder hören möchte. Wolfram von Eschenbachs große Erzählung über den Ritter Parzifal, der in die Welt hinauszog, um sich, seine Bestimmung und wohl auch das Glück zu suchen, ist so eine Geschichte.

Doch muss man sie reduzieren, humorisieren, krampfhaft aktualisieren? Nach der Uraufführung von Henrik Albrechts Kammeroper «Ritter Parceval» in der Berliner Philharmonie möchte man es bezweifeln. Auf den ersten Blick alles schicklich. Und gut. Und richtig.

Die Produktion ist Resultat eines Education-Projekts der Berliner Philharmoniker; beteiligt daran waren einzelne Orchestermitglieder, Gesangssolisten baden-württembergischer Musikhochschulen und Stipendiaten der Karajan-Akademie. Prädikat: pädagogisch unbedingt wertvoll.

Als problematisch erweisen sich zwei Dinge. Erstens: Musiktheater im Konzertsaal wirkt stets halbfertig, unentschlossen; szenische Verdichtung ist so gut wie unmöglich – vor allem, wenn sie anbiedernd-brav gerät wie hier. Zweitens: Albrechts Komposition ist eklektizistisch bis zum Abwinken. Und leider nur da elektrisierend, wo sie Wagner (fast) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Vor den Vätern sterben die Söhne

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war «Ernani» noch vor «Nabucco» das mit Abstand meistgespielte Werk aus Verdis Frühzeit. Heute begegnet man dem 1844 entstandenen Stück jedoch nur selten auf der Bühne. Frankfurt spielte es 2017 konzertant. In Mannheim fiel Yona Kim die schwierige Aufgabe zu, die auf den ersten Blick reichlich konventionell wirkende Oper um...

Editorial April 2018

Kürzlich hat der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) sein jüngstes Zahlenwerk veröffentlicht. Die Botschaft: Es geht langsam bergauf, der Markt wächst wieder. Zwar ist man noch weit entfernt von den Spitzenwerten der 1980er- und 1990er-Jahre, als nach Einführung der CD die Gewinne explodierten. Aber der Abwärtstrend scheint vorerst gestoppt. Knapp 1,6 Milliarden...

Faible für Abgründe

Verwandlungsfähigkeit gehört zur Berufsbeschreibung, aber nur wenige Sängerinnen gebieten darüber mit ähnlich frappierender Überzeugungskraft wie Camilla Nylund. Die Vielfalt selbst ist ihr Bühnenelixier, und wohl nie zuvor war sie so sehr in ihrem Element wie im vergangenen Jahr, als es darum ging, in einem «Tannhäuser» sowohl die Venus als auch die Elisabeth zu...