Paare, Passanten
Filmmusik. Taucht dieser Begriff in einem Text über neues Musiktheater auf, verheißt er meist nichts Gutes. Als tönende Kulissenschieberei, schallende Konfektion, Klangware aus zweiter oder dritter Hand ist das Genre in der an Adorno geschulten Kulturkritik verpönt. Unter der Fahne des zur Norm erhobenen autonomen, zweckfrei-experimentellen Kunstwerks schrumpft jeder, der (vermeintlich) kinotauglich tickt, zum Arrangeur effektgeil-instrumenteller Machwerke. Das ist die Grundfigur.
Und sie läuft zwischen den Zeilen noch und fast immer mit, wenn zeitgenössischen Komponisten, die für die Bühne schreiben, das Wort «Filmmusik» nachgerufen wird.
So geschah es auch, nachdem Péter Eötvös an der Staatsoper Hamburg seinen knapp 45 Minuten langen Einakter «Senza Sangue» vorgestellt hatte, erstmals so, wie er von Anfang an gedacht war, als gleichsam aus der Erinnerung glimmender Vorschein von «Herzog Blaubarts Burg», direkt hinüberblendend in dessen hermetisch-rätselhafte Seelendunkelkammer. Ob Eötvös’ Partitur den sensualistischen Sog, die konstruktive Dichte von Bartóks 1918 in Budapest uraufgeführtem Meisterstück erreicht, sei dahingestellt. Doch fraglos schimmert das ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann
Wie wahr und wie prophetisch, was Shakespeare seinen Macbeth sagen lässt: «Life is a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.» Als hätte er den amerikanischen Wahlkampf 2016 vorweggenommen. Oder den Mann mit dem Fliegenbärtchen in den 1930er-Jahren. Oder viele andere populistische Heißluftballone, denen die Knetmasse Volk nachlief...
Wie kann man das ungeschriebene Gesetz umgehen, nach welchem «Cavalleria rusticana» und «I Pagliacci» unter dem Spitznamen «Cav/Pag» am selben Abend aufgeführt werden? 2012 stellte Nicolas Joel diese Praxis nicht in Frage, als Giancarlo Del Monaco die beiden Einakter an der Bastille Oper verkoppelte. Auch an der Mailänder Scala blieb Stéphane Lissner 2011 der...
Die Elbphilharmonie in Hamburg, dort wo die Stadt am meisten sie selbst ist, mitten im Hafen, angrenzend an die historische Speicherstadt, ist ein aus Stein, Stahl und Glas gefügtes Paradox. Hätte man anfangs gewusst, wie teuer der Bau nun geworden ist (866 Millionen Euro), er wäre nie in Angriff genommen worden. Von der Grundsteinlegung 2007 bis zur...
