Auf den Doyen zugeschnitten
Wie wahr und wie prophetisch, was Shakespeare seinen Macbeth sagen lässt: «Life is a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.» Als hätte er den amerikanischen Wahlkampf 2016 vorweggenommen. Oder den Mann mit dem Fliegenbärtchen in den 1930er-Jahren. Oder viele andere populistische Heißluftballone, denen die Knetmasse Volk nachlief wie dem Rattenfänger von Hameln. Der Germanist und Schriftsteller Peter von Matt nennt es den «schauerlichsten Monolog der Weltliteratur», und Verdis Librettisten übertrugen ihn getreu.
Im Theater an der Wien singen ihn sowohl Plácido Domingo als auch Roberto Frontali jeweils mit der nötigen Verachtung, ehe ihr Weg sich am Schluss der Oper trennt. Denn Domingo hatte sich für die von ihm bestrittenen drei Vorstellungen eine Melange aus der Fassung von 1865 und dem Schluss von 1847 gewünscht (wegen Macbeths Sterbearie, die Verdi später strich), Frontali beließ es in seinen vier Aufführungen bei jener von 1865.
Verdi vergötterte Shakespeare. Einen «Hamlet» hatte er komponieren wollen, «Romeo und Julia» ebenso, den «Lear» wie auch den «Sturm». Drei Charaktere entlieh er sich schließlich beim Barden – Macbeth, Otello ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhard Persché
Wer heute an Wettbewerben teilnimmt, muss im Misserfolg keine Häme noch Schmach befürchten. Doch Hybris kann die Hinrichtung durch Publikum und Medien nach sich ziehen. Der überambitionierten New Yorker Millionen-Erbin und Möchtegern-Diva Florence Foster Jenkins ist ebendies reichlich beschieden worden.
Eklatant waren deren Defizite: falsche Intonation,...
Mit jedem Werk, das von Walter Braunfels (1882-1954) eingespielt wird, erweitert sich unsere Kenntnis vom Schaffen dieses Komponisten, der 1933 von den Nazis als Halbjude verfemt wurde und nach 1945 wegen seines Stilkonservativismus erneut ins musikpolitische Abseits geriet. Vereinzelte Aufführungen, zuletzt seines epischen Musiktheaters «Jeanne d’Arc» in Köln...
Große Massen auf leichten Füßen zu halten – das ist eine Kunst für sich. Der vereinigte Chor des Theaters Vorpommern und der Oper im Schloss Stettin ist eine beachtliche Masse, aber flotten Schrittes und stimmlich auf Zehenspitzen ziehen die Sänger als Edelleute in Wagners «Tannhäuser» auf die Wartburg. Die Choreinstudierung durch Malgorzata Bornowska und...
