Over the rainbow

In Melbourne startet Opera Australia ihren ersten «Ring des Nibelungen». Er ist mit Liebe gemacht – von Künstlern und Sponsoren. Einen kritischen Diskurs mit und durch Kunst lassen die Verhältnisse allerdings kaum zu.

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I.

Gleich zu Beginn, wenn das tiefe «Es» aus dem Orchestergraben brummt, hebt sich der eiserne Vorhang. Im Halbdunkel sehen wir ineinander geknäulte Menschenleiber, hundert oder hundertfünfzig mögen es wohl sein. Ein Spiegel, der aus dem Schnürboden herunterragt, lässt ihre Zahl ins Unendliche wachsen. Je mehr sich der Es-Dur Dreiklang auffaltet, desto mehr faltet sich auch diese Menschenmenge auf. Männer und Frauen, Kinder und Alte, Dicke und Dünne. Nur eines vereint sie: Alle stecken in Badeklamotten. Sie recken sich und räkeln sich.

Dann melden sich die Rheintöchter in Gestalt von Revuegirls, und das Geschehen nimmt seinen Lauf. Man könnte sagen: ein sehr australischer Anfang für Wagners «Ring des Nibelungen», den sich Regisseur Neil Armfield und sein Team ausgedacht haben. Bretter, die die Welt bedeuten, müssen ja nicht unbedingt mit einer Bühne zu tun haben. Es gibt – gerade in Australien – Leute, denen reicht ein Surfboard, um alle Fantasie und Energie zu bündeln. Warum also nicht beides zusammenbringen, die BeachKultur und die Hochkultur? Warum nicht gleich mit dem ersten Bild zeigen, dass dieser «Ring» alle angeht, nicht nur diejenigen, die eh schon wissen, wie es wird?

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Reportage, Seite 44
von Stephan Mösch

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