Orpheus zum Dritten
Glucks erste große Reformoper, in deren Zentrum der mythische Sänger Orpheus steht, kennt man in zwei Fassungen – der 1762 in Wien uraufgeführten italienischen Azione teatrale und der 1774 in Paris aus der Taufe gehobenen französischen Tragédie-opéra. Dass es noch eine dritte gibt, war bisher nur Spezialisten bekannt.
Als Gluck 1769 den Auftrag annahm, für Parma im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten der Habsburger-Prinzessin Maria Amalia die aus einem Prolog und drei selbstständigen Einaktern bestehende höfische Festoper «Le feste d’Apollo» zu schreiben, fügte er den weitgehend aus älteren Kompositionen recycelten Teilen «Atto di Baucis e Filemone» und «Atto d’Aristeo» mit dem abschließenden «Atto d’Orfeo» eine leicht veränderte Fassung seines Wiener Erfolgsstücks hinzu, die soeben in der Gluck-Gesamtausgabe erschienen ist. Die Retuschen sind geringfügig und beschränken sich hauptsächlich auf die Reduktion der Bläserstimmen, was zu einem helleren, bukolischeren Klang führt. Die wichtigste Änderung betrifft die Transposition der Titelpartie: Aus der Altkastraten- machte Gluck eine Soprankastratenrolle, ganz den stimmlichen Möglichkeiten Giuseppe Millicos entsprechend, dessen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Uwe Schweikert
Impressum
56. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752274
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 05.12.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Kurios, Mozarts frühe azione sacra: Alle Zeit der Welt wird da mit einem Gottesbeweis zugebracht. Ozìa, Fürst der belagerten Stadt Betulia (Anicio Zorzi Giustiniani), versucht Anchior (István Kovács) zu missionieren, einen Prinz aus dem feindlichen Lager. Mit Vernunft, wohlgemerkt: Da weht der Geist der Aufklärung. Besonders anschaulich ist das natürlich nicht –...
Im Rahmen der anspruchsvollen, mit raren und riskanten Stücken nicht geizenden Opernspielzeit am Theater Heidelberg ist dieser «Pelléas» ein szenischer Ausfall. Ja, ein Ärgernis. Und das trotz günstiger Voraussetzungen. Das Orchester findet unter seinem GMD Yordan Kamdzhalov zu jener sensiblen Klangbalance, von der Debussys scheues Meisterwerk lebt. Dass sich...
