Orpheus mit E-Gitarre

Eine zeitgenössische «L’Orfeo»-Version in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel

Opernwelt - Logo

Grüne Hügel gibt es nicht mehr. Eine Katastrophe, wahrscheinlich ein Atomunfall, hat alles in eine Sandwüste verwandelt. Zwei riesige Erdberge bestimmen die Szenerie. Das lautstarke Geschrammel und Gewimmere einer E-Gitarre zerreißt die Stille. Figuren mit bleichen Gesichtern und schwarz umränderten Augen wühlen sich aus dem Sand heraus. Und die E-Gitarre intoniert Claudio Mon­teverdis «L’Orfeo»-Toccata.

Schon der Beginn macht klar: Dies ist das zentrale Instrument in der «L’Orfeo»-Bearbeitung des Dirigenten Titus Engel und des Komponisten Tobias Schwencke für die Aufführungen in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel.
Alle Musiker sind auf der Bühne pos­tiert und werden zu Mitspielern: das kleine Streicherensemble mit je zwei Violinen und Violen, mit Cello und Kontrabass. Dazu gesellen sich ein ungarisches Cymbalon und ein Rhodes Piano. Engel und Schwen­cke versichern im Programmheft, dass sie keine Note der Monteverdi-Vorlage verändert haben, als sie mit ihrer Bearbeitung nach «heutiger Au­thentizität» suchten.
Schon in den Vorjahren hatten die beiden mit eigenwilligen Fassungen von Webers «Freischütz» und Mozarts «Don Giovanni» begeistert. Und auch mit ihrer «L’Orfeo»-Ver­sion ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2007
Rubrik: Magazin, Seite 26
von Dagmar Penzlin

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Mutter aller Schlachten

Schon oft fuhr sich ein Blitzkrieg in ­einem langwierigen Stellungskampf fest. Für die Eröffnung der Saison am Teatro alla Scala mit Giuseppe Verdis «Aida» besitzt der Vergleich eine gewisse Gültigkeit. Intendant Sté­phane Lissner zog aus, die Scala im Sturm zu erobern, und muss feststellen, dass die Beharrungskräfte nicht so leicht zu überwinden sind. Riccardo...

Viel Kompetenz, wenig Passion

In seinen zwei Jahre vor seinem Tod veröffentlichten Memoiren kommt Giovanni Pacini (1796-1871) auf den bestimmenden Einfluss Gioacchino Rossinis zu sprechen und macht sich mit einem Stoßseufzer Luft: «Alle folgten dem großen Stern, aber guter Gott! Was sollte man tun, wenn man sonst keine Möglichkeit hatte, sich über Wasser zu halten!»
Siebzig Opern hat der aus...

Kreiselnde Leidenswelt

Keine Szene für Klaustrophobe. Überall drückt diverses Inventar. Die Kajüte bietet keinen wirklichen Freiraum. Waschbecken, Sessel, Koffer und Kisten. Im Hintergrund, zunächst ein wenig versteckt, steht eine durchsichtige Konserve. Darin, blutverschmiert, ein Kopf: Mo­rold, Isoldes erschlagener Ex-Bräutigam. Ein Souvenir, ein seelischer Anker dieser Kopf. Isolde...