Orpheus mit E-Gitarre
Grüne Hügel gibt es nicht mehr. Eine Katastrophe, wahrscheinlich ein Atomunfall, hat alles in eine Sandwüste verwandelt. Zwei riesige Erdberge bestimmen die Szenerie. Das lautstarke Geschrammel und Gewimmere einer E-Gitarre zerreißt die Stille. Figuren mit bleichen Gesichtern und schwarz umränderten Augen wühlen sich aus dem Sand heraus. Und die E-Gitarre intoniert Claudio Monteverdis «L’Orfeo»-Toccata.
Schon der Beginn macht klar: Dies ist das zentrale Instrument in der «L’Orfeo»-Bearbeitung des Dirigenten Titus Engel und des Komponisten Tobias Schwencke für die Aufführungen in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel.
Alle Musiker sind auf der Bühne postiert und werden zu Mitspielern: das kleine Streicherensemble mit je zwei Violinen und Violen, mit Cello und Kontrabass. Dazu gesellen sich ein ungarisches Cymbalon und ein Rhodes Piano. Engel und Schwencke versichern im Programmheft, dass sie keine Note der Monteverdi-Vorlage verändert haben, als sie mit ihrer Bearbeitung nach «heutiger Authentizität» suchten.
Schon in den Vorjahren hatten die beiden mit eigenwilligen Fassungen von Webers «Freischütz» und Mozarts «Don Giovanni» begeistert. Und auch mit ihrer «L’Orfeo»-Version ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Carl Orff nacheinander die Dramen «Antigonae» und «Oedipus der Tyrann» von Sophokles sowie den «Gefesselten Prometheus» von Aischylos auf die Bühne brachte, da feierten seine Anhänger, darunter so prominente Lobredner wie der Tübinger Altphilologe Wolfgang Schadewaldt und der Münchner Musikologe Thrasybulos Georgiades, diesen Austritt aus der Moderne als...
Es gehört zum Wesen guter Operetten, dass sie inhaltlich Gewichtiges ungestraft verlachen. An der elsässischen Opéra national du Rhin hat Regisseurin Mariame Clément diesen Nerv von Offenbachs «La belle Hélène» getroffen, indem sie die Handlung vom Mythos der Antike durch einen Mythos unserer Tage ersetzte – das Hollywood der zwanziger Jahre (opulente Ausstattung:...
Von wegen «wüste Insel»! Zürichs mythisches Naxos liegt gleich um die Ecke vom Opernhaus. Es ist die legendäre Speisegaststätte Kronenhalle. Christian Schmidt hat sie einfach auf der Zürcher Opernbühne nachgebaut. Auf eine Verwandlung mehr oder weniger kommt es in Strauss’ verwandlungsreicher «Ariadne» nun wirklich nicht an. Auch der Haushofmeister hat sich hier in...
