d’Albert: Tiefland
Rund hundert Jahre nach seiner Uraufführung taucht Eugen d’Alberts «Tiefland» wieder häufiger in den Spielplänen auf. In Zürich startete Matthias Hartmann unlängst eine Reise in virtuelle Klon-Welten (siehe OW 8/2006), in Frankfurt wanderte Anselm Weber nun in reelle Niederungen der Gegenwart.
Die schwierigen Seiten dieses Werks haben den Chef des Essener Schauspiels dabei offenbar weniger beschäftigt. Eine kritische Auseinandersetzung mit der plakativen Gegenüberstellung von freier Natur (Hochland) und drangvoller Besiedlung (Tiefland) ist in seiner Arbeit nicht zu erkennen.
Webers Versuch, die Geschichte im heutigen Gewand als Beziehungsdrama zu erzählen, geht den Problemen des Plots aus dem Wege – und auf den Leim: Die simple Zivilisationskritik der Vorlage schlägt um in undifferenzierte Kapitalismuskritik.
Für das Vorspiel hat Hermann Feuchter eine Fototapete mit Bergpanorama, für die beiden Akte eine triste Fabrikhalle auf die Bühne gestellt. Der Mühlenbesitzer Sebastiano verpflichtet hier den Hirten Pedro als Mühlenbetreiber und lässt den mehligen Firmenalltag schon mal durch ölige Bauchtänzerinnen auflockern, wozu dann eine rot leuchtende Mühle herabsinkt: Moulin rouge – ...
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24. Februar 1607. Geburtsstunde der Oper. An diesem Tag wurde am Hof der Herzöge von Mantua die «Favola d’Orfeo» uraufgeführt. Monteverdis Vertonung des Orpheus-Stoffes war zwar nicht die erste – die «Euridice» von Peri und die von Caccini gingen sieben bzw. zwei Jahre zuvor in Florenz über die Bühne –, doch erst bei Monteverdi wird der singende Mensch, wird seine...
Draußen, auf der anderen Seite der Durchgangsstraße, glänzt die Fassade des Ostbahnhofs. Drinnen im Foyer strahlt Neonlicht. Es weht einen kühl an, wenn man das neue «Radialsystem V» an der Spree betritt. Das Publikum erscheint größtenteils im schwarzen Büroanzug – zwar nicht auf den ganz großen Stil, doch spürbar auf den besonderen, auch exklusiven Kulturkonsum...
Angesetzt waren diese «Meistersinger» am Grand Théâtre Genf für Armin Jordan: Der schweizerische Meisterdirigent hatte das Werk bisher nie geleitet und sich gewünscht. Der Wunsch sollte nicht in Erfüllung gehen. Jordan starb wenige Wochen vor der Premiere (siehe OW 11/2006). Einspringer Klaus Weise, sonst Musikchef der Oper in Halle, tat dem Theater und Jordan (dem...
