Opulenz und Achtsamkeit

Wagner: Tristan und Isolde London / Coliseum

Opernwelt - Logo

Die English National Opera gibt reichlich Anlass zur Sorge. Doch eines muss man ihr lassen: Das Orchester ist in Bestform. Das ist vor allem ­Edward Gardner zu verdanken, der die Spielkultur des Klangkörpers im Verlauf seiner Amtszeit ­entscheidend verfeinerte. Mark Wigglesworth konnte in den Monaten seiner Stippvisite als ­Musikalischer Leiter auf diese Arbeit aufbauen: Schon «Lady Macbeth of Mzensk», «Die Zauberflöte», «La forza del destino» und «Jenufa» ließen aufhorchen.

Und jetzt kehrte Gardner für «Tristan und Isolde», die letzte Neuproduktion der auslaufenden Saison, ans Pult der ENO zurück. Er überließ keine Nuance dem Zufall – und das Orchester zog mit, reagierte auf feinste Justierungen von Tinta, Temperatur und Tempo. Gardner geht in die Extreme, zieht hier kühn an, lauscht dort spannungsvoll nach, setzt Akzente, wirft lange ­Bögen auf, ohne dabei die feine Binnensyntax einzuebnen. Sein Sinn fürs Detail ist atemberaubend, hypnotisierend. Was sich im Graben abspielt, fesselt den ganzen langen Abend hindurch.

Leider fesseln auch nach wie vor Fragen zur Zukunft der ENO. Mit der überraschenden Er­nennung des in Chefsachen unerfahrenen Regisseurs Daniel Kramer zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Picard

Weitere Beiträge
Anarchisch frisch

Theodor W. Adorno vertrat die These, dass die Qualität des Spätwerks den Rang eines Künstlers ausmache. Für Beethoven, Wagner, Bruckner, Janácek trifft dies wohl zu. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Schon bei Schumann wird gestritten, ob die frühen Werke inspirierter seien als die späteren. Bei manchen Komponisten scheinen die «reifen» Werke eher...

Mit Hand und Fuß

Ein Glöckchen ertönt, und wie von Zauberhand bewegt schieben sich neue Kulissenteile auf die Gassenbühne, während im Hintergrund ein anderer Prospekt abrollt: ein Verwandlungsakt, der etwas ganz Besonderes darstellt und sich im Ekhof-Theater auf Schloss Friedenstein noch einige Male wiederholen soll. Kein Wunder, besitzt das herzogliche Barocktheater doch eine...

Gruß von den Orkneys

Peter Maxwell Davies hat sich immer dafür eingesetzt, auch Amateuren und Kindern Zugang zur klassischen Musik zu verschaffen. Und er war fasziniert von den Mythen der schottischen Orkney-Inseln, wo er sich 1971 niederließ. In seiner letzten Oper fließen diese Interessen ineins. Die Story: Das Seeungeheuer Nuckleavee bedroht die Orkneys. Der Knabe Magnus tut sich...