Opernhaus des Jahres 2024
Søren Kierkegaard könnte helfen. In seinem Traktat «Die Wiederholung» bat er seine Leserinnen und Leser fast inständig darum, nicht an Dingen zu verzweifeln, die immer wieder aufs Neue vor ihnen stünden und sie an die Vergänglichkeit des Seins erinnerten. Man müsse, so der dänische Philosoph, Prosaist und dialektisch begabte, evangelisch-lutherische Theologe (dem wir ja auch einen der gedankenreichsten Essays über Mozarts «Don Giovanni» verdanken), die Courage besitzen, Wiederholung als etwas Schönes zu akzeptieren, als etwas, das zu unserem Dasein zwingend dazugehört.
Legt man diesen Gedanken zugrunde, dann darf man auch die Tatsache, dass die Oper Frankfurt zum dritten Mal hintereinander den Titel «Opernhaus des Jahres» einheimst, als eine genuin positive betrachten. Zumal sich das Haus am Main diesen Titel auch in der abgelaufenen Spielzeit durch eine mutige Stückauswahl, durch eindrückliche Regiehandschriften sowie ein erklecklich hohes musikalisches Niveau verdient hat. Verdeutlicht wird das auch dadurch, dass an der Oper Frankfurt die «Regisseurin des Jahres» (Lydia Steier) inszenierte, dass der Musentempel Ort einer der fünf (!) «Aufführungen des Jahres» war, dass hier der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 4
von
Es geht um Kolonialismus und um Raubbau, den Europäer in Afrika betrieben oder immer noch betreiben: Für das Musiktheater «Justice» taten sich der spanische Komponist Hèctor Parra und der kongolesische Librettist Fiston Mwanz Mujila zusammen. Hinzu kam für die Uraufführung am Grand Théâtre in Genf der politisch denkende Regisseur Milo Rau und mit dem Dirigenten...
Ach, wie wäre das schön, gäbe es diese Zeilen: «In der Oper gewesen. Geweint!» Allein, es gibt sie nicht. Das Original klingt etwas anders, es ist hinreichend zitiert. Und beschreibt eine Neigung, die Franz Kafka lange Jahre pflegte. Es war das Kino, das imstande war, ihn, und sei es nur für einige Weltsekunden, zu verzaubern. Nicht die Oper. Und nicht einmal das...
«Ambur Braid ist eine der ausdrucksvollsten Sängerdarstellerinnen weit und breit: Hochexpressiv ist ihr Sopran, dem bei aller Wucht die Finesse nie abhanden kommt» (OW 8/2024). So schrieb unsere Kritikerin Judith von Sternburg über Braids Auftritt in Jacques Fromental Halévys «La Juive». Die Kanadierin kehrte damit an das Haus zurück, zu dessen Sängerensemble sie...
