Operation Zauberklapper
Tamino heißt jetzt Isménor. Aus Papageno ist Bochoris geworden, und Papagena kommt als Mona daher. Die Königin der Nacht singt Mezzo und tritt unter dem Namen Myrrène auf. Monostatos schrumpft zum Anonymus. Nur Pamina und Sarastro haben der aus Prag stammende Wahlfranzose Ludwig Wenzel Lachnith und sein Textdichter Étienne Morel de Chédeville nicht umgetauft, als sie 1801 für die Pariser Oper «Die Zauberflöte» bearbeiteten.
«Les Mystères d’Isis» erinnern nur noch entfernt an das zehn Jahre zuvor uraufgeführte geniale «Machwerk» Mozarts und Schikaneders. Zwar kommen auch in Lachniths auf grand opéra gebürstetem Arrangement drei Damen (bzw. Zofen) und zwei Priester (bzw. Minister) vor. Auch das Grundgerüst der Handlung blieb intakt: Ein Prinz (Isménor) liebt Pamina; die wird vom Papa (Sarastro) unter Verschluss gehalten; Mama (Myrrène) findet das gar nicht lustig und drückt Isménors Gefährten, dem Schäfer Bochoris, eine Zauberklapper in die Hand, auf dass die beiden das entführte Töchterlein befreien; es folgen Feuer-, Wasser-, Luftproben – und ein Happy End im (Licht-)Tempel der Isis. Musikalisch indes stimmte der seit 1773 in Paris lebende Böhme das Ganze auf den französischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Albrecht Thiemann
Manche Opernhäuser haben nicht nur ihre Säulenheiligen, die Bayerische Staatsoper etwa mit Mozart, Wagner und Strauss, sie hegen auch noch ihre heiligen Stücke. Und das müssen nicht unbedingt die Hits sein. Es können – wieder Beispiel München – auch auskragend komplexe, denk- und fragwürdige Dramen wie «Die Frau ohne Schatten» von Richard Strauss und Hugo von...
Schon wenn wir das Freiburger Theater betreten, sitzt er vorm Vorhang. Später streift er wie ein Geist, wie ein lebender Fingerzeig umher, und wenn nicht, lehnt er hinten an Stefan Rieckhoffs Rundhorizont. Herzog Friedrich von Österreich ist immer dabei. Von den Franzosen ermordet, beherrscht er das Fühlen und Trachten seiner Schwester Elena in jedem Augenblick....
Wer vieles bringt», sagt der Theaterdirektor in Goethes «Faust»-Vorspiel, «wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken. Solch ein Ragout, es muss euch glücken.» Das Stück heißt «Die Stimme», und es verspricht viel, zielt im Grunde auf alles, was die vox humana betrifft: «Grundlagen –...
