Oper und Anti-Oper

Moderne | Die Entwicklung des zeitgenössischen Musiktheaters hatte «Opernwelt» von Anfang an im Blick. Nur drei Beispiele: Imre Fabian, langjähriger Chefredakteur, suchte den Dialog mit seinem ungarischen Landsmann György Ligeti, dessen «Grand Macabre» gerade uraufgeführt worden war (Heft 6/1978). Karlheinz Stockhausen gab Auskunft über seinen «Licht»-Zyklus (Heft 6/2005), Helmut Lachenmann, 1997 «Komponist des Jahres», über sein «Mädchen mit den Schwefelhölzern» (Jahrbuch 1997).


Herr Prof. Ligeti, in Ihrem Kommentar zur Entstehung der Oper «Le Grand Macabre» beschreiben Sie einen schöpferischen Entwicklungsprozeß, der – wie ich meine – für die Situation der Musik der Siebzigerjahre und des neuen Musiktheaters im besonderen sehr aufschlußreich und charakteristisch ist. Während der Arbeit an dieser Oper, Ihrem ersten großen Werk für das Musiktheater, gelangten Sie allmählich zur Erkenntnis, daß die Idee der nicht begrifflichen Texte, der Anti-Oper also, abgenutzt und nicht mehr entwicklungsfähig war.

Aus der ursprünglich geplanten Anti-Oper wurde eine «Anti-anti-Oper», auf einer anderen Ebene also wieder eine Oper, die die Gegebenheiten der Gattung und der Opernbühne akzeptiert, auch wenn sie ihre Tradition weiterführt. Dazu kommt mir ein Satz aus Alfred Jarrys «Ubu Roi», der die Konzeption Ihrer Oper wesentlich beeinflußt hat, in den Sinn: »Wir werden nicht alles zerstört haben», sagt König Ubu in seiner zerstörerischen Wut, »bevor wir nicht auch die Ruinen zerstören. Aher ich sehe kein anderes Mittel dazu, als schöne, wohlgeordnete Bauten aus ihnen zu machen.»

Ich finde das Zitat wunderbar. Was mich betrifft: Meine künstlerische Einstellung und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: 50 Jahre «Opernwelt», Seite 110
von Imre Fabian

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Dinge reifen lassen

Die Grundfrage für jeden Künstler lautet: Was muss ich tun, um in den Aufführungen höchste Qualität zu erreichen? Was kann ich tun, um diese Qualität zu halten oder sogar zu steigern? Die Erfahrung zeigt, dass jeder diese Frage für sich anders beantwortet. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die ständig in der Welt unterwegs sein müssen, um Bestleistungen zu bringen....

Mehr Premieren, mehr Proben, mehr Stücke

 

Herr Meyer, in einem Interview sagten Sie, das Budget der Staatsoper sei «nicht in Ordnung» – die Wiener Staatsoper erhalte zur Zeit nicht einmal die Hälfte der Subvention der Pariser Oper. Glauben Sie, das ändern zu können?
Was ich gemeint habe, ist, dass die Staatsoper seit Jahren keine Erhöhung bekommen hat. Auch wenn die Inflation in den letzten 20 Jahren ...

Am 1. Oktober erschien das Jahrbuch der Opernwelt

Sängerin und Sänger des Jahres 2010 sind Marlis Petersen und Christian Gerhaher. Zur Uraufführung des Jahres wurde Aribert Reimanns «Medea» gewählt, Dirigent des Jahres ist Ingo Metzmacher. Einen Überblick aller Gewinner in diesem Jahr finden Sie hier.

Ebenfalls in der aktuellen Ausgabe:

Wiener Welt:
Nach 19 Jahren ist die Ära Ioan Holender an der Wiener Staatsoper...