Erfahrungsraum, kein Mitteilungsraum

Jens Joneleit erläutert, warum man heute immer noch Opern schreiben kann

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Was treibt einen Komponisten an, heute Opern zu schreiben? Was und wen will er damit erreichen? Welche Bedeutung, welches Potenzial hat die Oper für ihn?

In der Oper geht es weder nur um Musik oder das Erzählen von Geschichten, noch um das Überbringen von Weltanschauungen. Es geht um Veränderung, nicht gleich der Gesellschaft, das wäre dann doch zu viel verlangt, aber doch um Veränderung von Wahrnehmungen, von Sicht- und Hörweisen, von Verständnis im weitesten Sinn, das mehr oder weniger eingefahren ist.

Voraussetzung dafür ist, dass sich Oper – als Institution und als Werk gleichermaßen – ständig selbst kritisch hinterfragt. Und dazu wieder eine Vorausetzung ist: dass sie sich davon verabschiedet, zu viel zu wollen. Stimmig ist Oper nur dann, wenn man ihre Grenzen, aber auch ihre Möglichkeiten erkennt: Oper ist das Aufeinanderprallen verschiedener Metiers. Oper ist nicht nur eine Sache – Oper ist vieles: Klangkunst, Schauspiel, Tanz, Raumkunst, Lichtkunst, Kommunikation. Das macht sie so kompliziert, und darin liegen ihre Möglichkeiten. Oper: das ist auch Kollektiv, zuweilen Familie: ein stetes Zusammenkommen und Kollidieren. Oper ist Dialog, aber auch Kampf – ein wechselseitiges ...

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Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: 50 Jahre «Opernwelt», Seite 97
von Jens Joneleit

Vergriffen
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