Erfahrungsraum, kein Mitteilungsraum
Was treibt einen Komponisten an, heute Opern zu schreiben? Was und wen will er damit erreichen? Welche Bedeutung, welches Potenzial hat die Oper für ihn?
In der Oper geht es weder nur um Musik oder das Erzählen von Geschichten, noch um das Überbringen von Weltanschauungen. Es geht um Veränderung, nicht gleich der Gesellschaft, das wäre dann doch zu viel verlangt, aber doch um Veränderung von Wahrnehmungen, von Sicht- und Hörweisen, von Verständnis im weitesten Sinn, das mehr oder weniger eingefahren ist.
Voraussetzung dafür ist, dass sich Oper – als Institution und als Werk gleichermaßen – ständig selbst kritisch hinterfragt. Und dazu wieder eine Vorausetzung ist: dass sie sich davon verabschiedet, zu viel zu wollen. Stimmig ist Oper nur dann, wenn man ihre Grenzen, aber auch ihre Möglichkeiten erkennt: Oper ist das Aufeinanderprallen verschiedener Metiers. Oper ist nicht nur eine Sache – Oper ist vieles: Klangkunst, Schauspiel, Tanz, Raumkunst, Lichtkunst, Kommunikation. Das macht sie so kompliziert, und darin liegen ihre Möglichkeiten. Oper: das ist auch Kollektiv, zuweilen Familie: ein stetes Zusammenkommen und Kollidieren. Oper ist Dialog, aber auch Kampf – ein wechselseitiges ...
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Die Grundfrage für jeden Künstler lautet: Was muss ich tun, um in den Aufführungen höchste Qualität zu erreichen? Was kann ich tun, um diese Qualität zu halten oder sogar zu steigern? Die Erfahrung zeigt, dass jeder diese Frage für sich anders beantwortet. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die ständig in der Welt unterwegs sein müssen, um Bestleistungen zu bringen....
Utopie Nummer 1: Ich träume von einer Zukunft, in der das System internationaler Koproduktionen, dieser ganze internationale Opern-Supermarkt zusammenbricht. Dann werden wir uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist: statt Allgemeingültigem etwas ganz Spezielles zu erschaffen, mit speziell ausgewählten Künstlern an einem speziell ausgewählten Ort für ein ganz...
Am Telefon: Placido Domingo
Herr Domingo, kommt ein Belkantotenor reinsten Wassers aus Italien?
Nein, ich bin Spanier, in Madrid geboren.
Wann und wie begannen Sie zu musizieren?
Als ich neun Jahr e alt war, befreundete ich mich mit dem Klavier. Ich wollte Dirigent werden. Auch sang ich nebenher – natürlicherweise, denn sowohl mein Vater als auch meine Mutter...
