Ohren auf, Augen zu
Würde man die neue «Carmen» in Covent Garden an der Zahl der Hintern messen, die sie auf die Stühle des Royal Opera House lockt, müsste man sie einen spektakulären Hit nennen. Francesca Zambellos Inszenierung gibt dem Publikum Zucker, die Produktion wird sich zweifellos als ebenso langlebige wie profitable Repertoire-Nummer bewähren.
Macht man das Urteil indes an den Einsichten fest, die Zambello zu dem gut abgegriffenen Musikdrama bietet, fällt die Bilanz niederschmetternd aus. Ich habe noch nie eine Produktion gesehen, die mit Bizets Personal so unbeteiligt umgesprungen wäre.
Hat die an Velázquez erinnernde Ausstattung (Tanya McCallin) mit von Paule Constable opulent ausgeleuchtetem maurischen Flair und historischer Kostümierung ihre Wirkung entfaltet, fragt man sich bald, wann das Ganze wohl über den schönen Schein hinauswächst. Die Antwort: in keiner Phase.
Unter all den Eseln, Pferden, Tänzern, Akrobaten, Seilartisten, behinderten Kindern und Waschfrauen, die die Bühne verstopfen, schrumpfen Carmen, Don José und Escamillo zu Nebendarstellern. Diese «Carmen» passt in Arenen wie die Royal Albert Hall oder Earl’s Court – in einem Opernhaus mit künstlerischem Anspruch hat sie nichts ...
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