Ohne Tiefpunkte keine Höhepunkte

Als 1961 der Premierenreigen zur Eröffnung der Deutschen Oper Berlin herauskam, sang Gloria Davy die Aida – eine Sensation und ihr Durchbruch. Zuvor hatte der große Victor de Sabata die junge Sopranistin an der Mailänder Scala unter seine Fittiche genommen. Doch als sie dort debütieren sollte, wurde die Vorstellung annulliert. Steckte dahinter Maria Callas? Darüber und über ein Sängerleben voller Triumphe und Rückschläge erzählt Gloria Davy im folgenden Gespräch. Geführt hat es Till Haberfeld, der sie vor mehr als einem halben Jahrhundert zum ersten Mal hörte.

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Liebe Gloria Davy, Mitte der 50er-Jahre gastierten Sie in Europa mit «Porgy and Bess». Ich habe 1955 eine der Vorstellungen im Hallenstadion von Zürich erleben können. Wie kam es zu dieser Produktion?
1955 nahte schon das Ende meiner Zeit mit «Porgy and Bess». Im Jahr zuvor hatte ich mich einem Ensemble in Cleveland (Ohio) angeschlossen. Damals ersetzte ich Leontyne Price, die zwei Jahre lang die Rolle der Bess gesungen hatte, müde war und nach Hause wollte. Ich studierte noch an der Juilliard School, wo die Leitung der Truppe mich in «Le nozze di Figaro» hörte.

Die Frage war, ob ich die Bess überhaupt annehmen sollte. Der Leiter der Juilliard-Opernschule, ein eingewanderter deutscher Flüchtling namens Cohen, war der Ansicht, «Porgy and Bess» sei in Europa nicht als Oper anerkannt. Folglich hielt er das Engagement für ein Risiko. Ich beriet mich mit verschiedenen Leuten. Chancen und Risiken lagen bei 50 zu 50; schließlich akzeptierte ich das Angebot. Das hat mein ganzes Leben verändert. Ich habe Bess in fast allen Opernhäusern Italiens gesungen: Teatro San Carlo, Genua, Turin, La Scala, Bologna, Firenze. Überall war es ein Erfolg. Damals war Victor de Sabata Künstlerischer Leiter an ...

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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Retrospektive, Seite 50
von Till Haberfeld

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