Ohne Tiefpunkte keine Höhepunkte
Liebe Gloria Davy, Mitte der 50er-Jahre gastierten Sie in Europa mit «Porgy and Bess». Ich habe 1955 eine der Vorstellungen im Hallenstadion von Zürich erleben können. Wie kam es zu dieser Produktion?
1955 nahte schon das Ende meiner Zeit mit «Porgy and Bess». Im Jahr zuvor hatte ich mich einem Ensemble in Cleveland (Ohio) angeschlossen. Damals ersetzte ich Leontyne Price, die zwei Jahre lang die Rolle der Bess gesungen hatte, müde war und nach Hause wollte. Ich studierte noch an der Juilliard School, wo die Leitung der Truppe mich in «Le nozze di Figaro» hörte.
Die Frage war, ob ich die Bess überhaupt annehmen sollte. Der Leiter der Juilliard-Opernschule, ein eingewanderter deutscher Flüchtling namens Cohen, war der Ansicht, «Porgy and Bess» sei in Europa nicht als Oper anerkannt. Folglich hielt er das Engagement für ein Risiko. Ich beriet mich mit verschiedenen Leuten. Chancen und Risiken lagen bei 50 zu 50; schließlich akzeptierte ich das Angebot. Das hat mein ganzes Leben verändert. Ich habe Bess in fast allen Opernhäusern Italiens gesungen: Teatro San Carlo, Genua, Turin, La Scala, Bologna, Firenze. Überall war es ein Erfolg. Damals war Victor de Sabata Künstlerischer Leiter an ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Retrospektive, Seite 50
von Till Haberfeld
Ich ist ein anderer. Das gilt nicht erst seit der Romantik. Die Beobachtung hat schon immer zur Kunst geführt. Als Aufschrei, als Staunen, als Sehnsucht. Auch in der Musik natürlich. Und auf der Bühne. Wobei das Sängerleben einer doppelten Perspektive folgt: Wer seine Stimme gefunden hat, hat seine Identität gefunden.
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