Ohne Ende

Berlin: Staatsoper im Schiller Theater: Traetta: Antigona

Opernwelt - Logo

Mit großem Interesse habe ich im Programmheft zu dieser «Antigona» gelesen, dass nicht Gluck, sondern Tommaso Traetta der eigentliche Reformator der italienischen Barockoper war, und dass ohne seine Pionierleistung Mozart nie einen «Idomeneo» hätte schreiben können. Die Bekanntschaft mit dem Werk selbst hat mich dann allerdings etwas ratlos zurückgelassen, denn je weiter die Oper fortschreitet, desto mehr scheint sie der Barock-Konvention zu huldigen, bis hin zum aufgepappt wirkenden, damals obligatorischen «lieto fine».

Im letzten Akt reiht sich eine schöne Musiknummer an die andere, aber die Handlung tritt auf der Stelle. Antigona und Emone zelebrieren wie hundert Jahre später Aida und Radames einen Liebestod in der Gruft und werden dann zum Finale wieder aus der Versenkung gefahren. An die Tragödie des Sophokles darf man bei dem ausufernden Libretto Marco Coltellinis keinen Augenblick denken.

Es war der Wunsch von René Jacobs, mit diesem Werk, das Traetta 1772 für den Petersburger Hof komponierte, seine 20. Berliner Premiere zu feiern und zugleich die beliebten Barocktage zu Reformtagen umzufunktionieren. Jacobs setzte sich, wie zu erwarten, mit musikantischer Leidenschaft für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gute Nacht

Den Geburtsfehler haben schon anlässlich der Uraufführung 1981 an der Deutschen Oper Berlin hellsichtige Kritiker wie Joachim Kaiser beschrieben: «Zur Oper fehlt es ... an Gestalten, fehlt ihr die Handlung, Gedichte, Zitate, Figuren, Überraschungen, Haltungen». Das empfindet man heute noch genauso. «Aus Deutschland», Mauricio Kagels Versuch über die deutsche...

Opern-Schredderer

Das letzte Opern-Tabu hat einen Namen: David Marton. An der Treue zum Notentext nämlich, an der Form der Werke, hat selbst die vom sogenannten Regietheater revolutionierte Oper bislang nicht gerüttelt. Marton schon.

Selbst bei der Länge der Werke tendiert die Gegenwart, die zugleich szenisch immer stärker dekonstruiert, zu gesteigerter Nibelungentreue zum Original....

Der Clown als Tiefenpsychologe

Vor bald 20 Jahren verwandelte Jean Nouvel die Lyoner Oper in einen hypermodernen Kult(ur)ort. Parkett, Balkon oder Rang erreicht man mittels Rolltreppen, die konsequent eingesetzte (damalige) Modefarbe Schwarz lässt eine existenzialistische Atmosphäre entstehen. Als Kontrast wölbt sich über allem eine riesige Glaskuppel. Vor dem Opernhaus trifft sich Lyons...