Ohne Ende
Mit großem Interesse habe ich im Programmheft zu dieser «Antigona» gelesen, dass nicht Gluck, sondern Tommaso Traetta der eigentliche Reformator der italienischen Barockoper war, und dass ohne seine Pionierleistung Mozart nie einen «Idomeneo» hätte schreiben können. Die Bekanntschaft mit dem Werk selbst hat mich dann allerdings etwas ratlos zurückgelassen, denn je weiter die Oper fortschreitet, desto mehr scheint sie der Barock-Konvention zu huldigen, bis hin zum aufgepappt wirkenden, damals obligatorischen «lieto fine».
Im letzten Akt reiht sich eine schöne Musiknummer an die andere, aber die Handlung tritt auf der Stelle. Antigona und Emone zelebrieren wie hundert Jahre später Aida und Radames einen Liebestod in der Gruft und werden dann zum Finale wieder aus der Versenkung gefahren. An die Tragödie des Sophokles darf man bei dem ausufernden Libretto Marco Coltellinis keinen Augenblick denken.
Es war der Wunsch von René Jacobs, mit diesem Werk, das Traetta 1772 für den Petersburger Hof komponierte, seine 20. Berliner Premiere zu feiern und zugleich die beliebten Barocktage zu Reformtagen umzufunktionieren. Jacobs setzte sich, wie zu erwarten, mit musikantischer Leidenschaft für ...
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