Offensivkünstler, Vaterfigur, Gottsucher
Ein Haus mit der Nummer 15. Daneben die 20. Dann wieder eine niedrige Hausnummer. So springt das hin und her, in St. Georgen im Attergau. Wer soll das durchschauen? Und doch hat die mysteriöse Zählung System, hier in diesem Ortsteil unweit des Attersees, in dem noch das Rauschen der österreichischen Westautobahn zu hören ist. Denn hier herrscht noch ein altes, ehrwürdiges Dorfprinzip. Je betagter das Anwesen, desto niedriger die Hausnummer – bis hinab zum ältesten, zu seinem. Nikolaus Harnoncourt wohnte in der Nummer 1.
Etwas knifflig war es für den Erstbesucher, zu diesem ehemaligen Pfarrhaus zu finden, dessen elektrisches, leise summendes Hoftor immer wie eine bizarre Pointe wirkte im Vergleich zum verwunschenen Charme des Gemäuers. Wie eine Folge eben jenes so besonderen Harnoncourt’schen Humors, den auch der Gast gelegentlich zu spüren bekam: «Schön, dass Sie Zeit für ein Gespräch haben.» – «Wie kommen Sie darauf, dass ich Zeit habe?»
Die hatte er eigentlich nie. Was stimmte, wenn er von seinen Interessen erzählte, die oft gar nichts mit Musik zu tun hatten und dann irgendwie doch. Ein Interview? Erst einmal in die Werkstatt. Fein säuberlich aufgereiht dort die Holzstühle, ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Abschied, Seite 28
von Markus Thiel
Wand an Wand, direkter geht Konkurrenz nicht in der Royal Arcade mit ihrem weißen, viktorianischen Holzstuckwerk. Links, bei «Rino and Company», bekommt es der Herr für 15 Pfund gemacht, die Dame – Waschen, Schneiden, Legen – für 28,99. Kein Mensch da, die beiden Friseurinnen schauen gelangweilt durchs Schaufenster nach draußen. Vielleicht, weil beim Kollegen...
Einer Ihrer Kollegen sagte einmal, 79, 80, 81, das sei ihm eigentlich egal.
Mir nicht. Am liebsten wäre mir 39, meinetwegen 49.
Sie haben, so schilderten Sie es einmal, früher am Pult wilde Bewegungen vollführt. Wann legt man das ab?
Mein Wiener Lehrer Hans Swarowsky hat mich einmal bei der «Kleinen Nachtmusik» beobachtet und gefragt: «Was machen Sie eigentlich, wenn...
Fortschritt oder Reaktion, einfach oder kompliziert? (Gewissens-)Fragen, die die Kulturgeschichte durchziehen. Arnold Schönberg, «konservativer Revolutionär», pries Brahms als «the progressive», hielt gleichwohl der Frage, ob er Wagnerianer oder Brahmsianer sei, trotzig weanerisch entgegen: «Ich bin Selberaner.» Und immer wieder erhebt sich das Bild des Januskopfs,...
