Offensivkünstler, Vaterfigur, Gottsucher

Sein Leben hatte er dem Kampf gegen das Beiläufige, Beliebige gewidmet. Musik, Natur, den Menschen begriff er als Teile einer Schöpfung, die größer ist als alle irdische Vernunft. Wenn NIKOLAUS HARNONCOURT sich in Monteverdi, Bach oder Mozart versenkte, hat er immer auch nach den letzten Dingen gefragt. Und dabei aktives Mitdenken gefordert – mit glühendem Temperament, grenzenloser Neugier, heiterem Mut zur Wahrheit. Am 5. März ist Nikolaus Harnoncourt gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.

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Ein Haus mit der Nummer 15. Daneben die 20. Dann wieder eine niedrige Hausnummer. So springt das hin und her, in St. Georgen im Attergau. Wer soll das durchschauen? Und doch hat die mysteriöse Zählung System, hier in diesem Ortsteil unweit des Attersees, in dem noch das Rauschen der österreichischen Westautobahn zu hören ist. Denn hier herrscht noch ein altes, ehrwürdiges Dorfprinzip. Je betagter das Anwesen, desto niedriger die Hausnummer – bis hinab zum ältesten, zu seinem. Nikolaus Harnoncourt wohnte in der Nummer 1.

Etwas knifflig war es für den Erstbesucher, zu diesem ehemaligen Pfarrhaus zu finden, dessen elektrisches, leise summendes Hoftor immer wie eine bizarre Pointe wirkte im Vergleich zum verwunschenen Charme des Gemäuers. Wie eine Folge eben jenes so besonderen Harnoncourt’schen Humors, den auch der Gast gelegentlich zu spüren bekam: «Schön, dass Sie Zeit für ein Gespräch haben.» – «Wie kommen Sie darauf, dass ich Zeit habe?»

Die hatte er eigentlich nie. Was stimmte, wenn er von seinen Interessen erzählte, die oft gar nichts mit Musik zu tun hatten und dann irgendwie doch. Ein Interview? Erst einmal in die Werkstatt. Fein säuberlich aufgereiht dort die Holzstühle, ...

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Opernwelt April 2016
Rubrik: Abschied, Seite 28
von Markus Thiel

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