Offenbachs «Belle Hélène» in Straßburg
Es gehört zum Wesen guter Operetten, dass sie inhaltlich Gewichtiges ungestraft verlachen. An der elsässischen Opéra national du Rhin hat Regisseurin Mariame Clément diesen Nerv von Offenbachs «La belle Hélène» getroffen, indem sie die Handlung vom Mythos der Antike durch einen Mythos unserer Tage ersetzte – das Hollywood der zwanziger Jahre (opulente Ausstattung: Julia Hansen). Die charmante Verharmlosung einer Gegenwart, die sich am besten in der Parodie der Vergangenheit wiedererkennen lässt, gelingt rundum.
So wird aus der schönsten Frau des klassischen Altertums «die Göttliche» der Kinoleinwand: Filmausschnitte mit Greta Garbo und nachgedrehte Videoprojektionen (fettFilm) ergänzen und illustrieren das turbulente Geschehen überaus amüsant. Im Graben trifft Claude Schnitzler am Pult des Orchestre symphonique de Mulhouse die musikalische Parodie ebenso wie jene Passagen, mit denen Offenbach dem Drame lyrique schon sehr nahe steht. Stéphanie d’Oustrac singt und spielt die Grande Dame Helena nach allen Regeln der Kunst, Yann Beuron bewältigt die heikle Partie des Paris mit beweglichem Mozart-Tenor. Fazit: einer der selten gewordenen Abende, der beweist, dass Operette noch ...
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In seinen zwei Jahre vor seinem Tod veröffentlichten Memoiren kommt Giovanni Pacini (1796-1871) auf den bestimmenden Einfluss Gioacchino Rossinis zu sprechen und macht sich mit einem Stoßseufzer Luft: «Alle folgten dem großen Stern, aber guter Gott! Was sollte man tun, wenn man sonst keine Möglichkeit hatte, sich über Wasser zu halten!»
Siebzig Opern hat der aus...
Wir sind ihr früher öfter begegnet, in der Nähe der Strudlhofstiege im neunten Wiener Gemeindebezirk. Wahrscheinlich hieß sie nicht Arabella, aber wir nannten sie so, weil sie uns irgendwie an Lisa della Casa erinnerte, die «Arabellissima» früherer Zeiten. Freilich, der Ort dieser anonymen Begegnungen ließe weniger an Hofmannsthal denken als an Heimito von Doderer...
