Öl und Eselsmilch
Ein Kriegsschauplatz irgendwo im Mittleren Osten: westliche Einsatztruppen im Gefecht mit muslimischen Guerilla-Kämpfern. Bilder, wie man sie – allerdings ohne die pseudo-ethnischen Balletteinlagen der Choreografin Rebecca Howell – weidlich aus der Berichterstattung internationaler TV-Nachrichtensender kennt. An der Mailänder Scala tauschen diplomatische Gesandte zu den Klängen der Arie «Va tacito e nascosto» verdächtig anmutende Geschenke aus.
Videoclips aus Hollywood-Klassikern flimmern über die Leinwand, während Caesar von Cleopatra verführt wird, die sich mit den überlebensgroßen Filmikonen Claudette Colbert, Vivien Leigh oder Liz Taylor identifiziert. Das hat man alles schon gesehen, nahezu deckungsgleich in den «Giulio Cesare»-Produktionen von Luca Ronconi in Madrid (2002), Richard Jones in München (2003) und David McVicar in Glyndebourne (2005). Und wie immer, wenn irgendein orientalisches Land für das Setting herhalten muss, wenn der Plot um Macht- und Geschlechterkämpfe kreist, so scheint auch in Robert Carsens aktueller Mailänder Inszenierung eines offenbar ausgemachte Sache: Es geht ums Erdöl. Daher auch der erwartbare Anblick auf der Bühne: Bohrtürme und Pipelines. Die ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Carlo Vitali
Die präpotenten römischen Besatzer tragen Brustpanzer aus Plastik. Vittoria Yeo, Oberpriesterin der naturverbunden matriarchalischen Gallier, darf als Norma zu ihrer Signet-Arie «Casta Diva» eine Mondsichel in Händen halten. Die in edlen Tableaux erstarrten Damen und Herren des überwältigend eloquenten Chores behaupten die Ursprünglichkeit ihrer den Eroberern...
Arme Effi. Wie Theodor Fontane das Schicksal des Mädchens aus dem Havelland in seinem perfekt temperierten Roman beschreibt, geht noch immer unter die Haut. Die ins Korsett erstarrter Gesellschaftsregeln gezwängte Lebensfreude. Das naiv-provinzielle Aufsteigersehnen nach einem Leben in der Berliner Noblesse. Die innere Vereinsamung unter dem Regiment eines Gatten,...
Immer wieder diese Bilder, schwarzweiß: Ein junges Paar in der Küche, er liebkost sie, aus Zärtlichkeit wird nach und nach Gewalt, er drückt sie auf den Boden, will in sie eindringen, sie zieht ein Küchenmesser ... Nicola Raab reichert ihre Straßburger «Rusalka»-Deutung fortwährend mit projizierten Wasser-, Wald- und Wolken-Motiven an (Video: Martin Andersson)....
