Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht

Mutige Wagner-Diskurse bei den Osterfestspielen: «Lohengrin» in Baden-Baden, «Rheingold» und ein elektronischer «Ring» in Salzburg

Opernwelt - Logo

Leise rieselt der Schwan. Natürlich nicht der ganze, das wäre doch ein bisschen zu viel des Gefieders.

Um das mit satten Klängen und bass erstaunten Ausrufen beschworene «Wunder» in ein triftiges Bild zu fassen, genügen einzelne Federn des sagenumwobenen Tiers, die nun von der Decke des Festspielhauses in Baden-Baden sanft in den Saal hinabschweben, derweil der Ritter von der magischen Gestalt in persilglänzendem Weiß übers Wasser hereingleitet wie ehedem der heilige Franziskus und das reichlich versammelte Volk beglückt – übrigens nicht nur die tapferen Recken des deutschen Reiches, die – zumindest im Libretto – dem Krieg mit den wütenden Ungarn bang entgegensehen, sondern auch die Damen in ihren schicken blauschwarzen Abendroben. Mittendrin die Tugendreiche, Elsa von Brabant, und wie es sich für eine (verkaufte) Braut bei Wagner gehört, trägt sie, Lohengrin gleich, ein weißes Gewand, nur ohne gefiederten Flokati-Mantel, dafür mit gar lieblichen Spitzen.

Vom Kampf gegen den Feind aus dem Osten aber erzählt diese Szene gar nichts. In einem echten Märchen haben solche äußerlichen Realitäten keinen Platz. Und so verzichtet Regisseur Johannes Erath in seiner Lesart der «romantischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Die Schöne und das Biest

Nicola Porpora ist vor allem als Gesanglehrer zweier weltberühmter Kastraten, Cafarelli und Farinelli, in Erinnerung geblieben. Für sie schrieb er die Partien des Ulisse und des Aci im «Polifemo», seiner bekanntesten Oper, die 1735 in der mit Händels Opernakademie konkurrierenden Londoner Adelsoper zur Uraufführung kam. Mit dem begnadeten Melodiker und...

Traurige Tropen

Die Botschaft ist eindeutig: «Beautiful, beautiful, beautiful!», singen sechs elegant gekleidete Herren mit Fliege und Hosenträger. Wie die Geier umkreisen sie eine Frau, die an einem grell beleuchteten Schminktisch sitzt und weint. Ihr ikonisches Konterfei? Die platinblonde, in voluminösen Wellen gestylte Bobfrisur und ein knallroter Kussmund lassen keine Zweifel...

Die Oper seines Lebens

Ist es eine bittere Ironie der Geschichte, dass Puccinis qualvolles Ende im Grunde ein veristischer Opernstoff ist, ganz ähnlich wie der Komponist ihn mehrfach während seines Lebens einfühlsam, immer aber auch mit der Lust des Voyeurs für die Bühne vertont hatte? Die Torturen der Kehlkopf-Operationen, die Gewissheit der Brüsseler Ärzte zunächst, ihn geheilt zu...