Nur im Doppelpack

Dass es singende Ehepaare gemeinsam auf die Bühne zieht, ist kein neues Phänomen – Impromptu über eine zweifelhafte Praxis

Opernwelt - Logo

Jede Universität, die etwas auf sich hält, hat heute einen «Dual Career Service». Was um die Jahrtausendwende in den USA aufkam, setzt sich nun auch auf dem alten Kontinent durch. In der Tat ist das Problem offensichtlich: Wenn in einer hochspezialisierten Berufswelt jemand Arbeit an einem Ort findet, ist es weder nachhaltig noch menschenfreundlich, wenn der Partner oder die Partnerin sich nicht am selben Ort entfalten kann. Aus guten Gründen hat der besondere Schutz der Familie in vielen Ländern Verfassungsrang.

In Opernhäusern gibt es – bislang – keine «Dual Career Services».

Seit Jahrhunderten prägen jedoch die mehr oder weniger dreisten Forderungen von Paaren, die im selben Sektor arbeiten, die Operngeschichte. 1731 engagierte der Dresdner Hof nicht nur den Starkomponisten Hasse, sondern auch dessen Ehefrau, die Primadonna Bordoni. In den 1840er-Jahren musste das Publikum vergeblich auf «Le prophète» warten, weil Meyerbeer sich nicht auf die Bedingungen des Direktors der Pariser Opéra einlassen wollte: Léon Pillet bestand darauf, dass Rosine Stoltz, seine Geliebte, die Hauptrolle bekam. Meyerbeer wartete lieber, bis ein neuer Direktor kam. In neueren Zeiten sind Joan ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 76
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Berührend

Tja, so ist das, wenn Hände sprechen können. Es ist anders, anders intensiv. Es bedarf nicht der Berührung der Körper, keiner direkten sinnlichen Annäherung. Hände vermögen Gefühle, Gesten, Gedanken in einer Weise auszudrücken, die uns heute anachronistisch erscheinen mag, zur Zeit der Barockoper indes gang und gäbe war. Wie beispielsweise auch in Georg Philipp...

Polens Atlantis

Im Jahr 1919 wurde der polnische Staat von den Siegermächten wiederhergestellt und mit einem Korridor zur Ostsee versehen. Als fünf Jahre darauf Feliks Nowowiejskis «Legenda Bałtyku» (Baltische Legende) in der nun wieder Poznań genannten Stadt über die Bühne ging, feierten nationalkonservative Kreise das Stück, in dem das versunkene Vineta beschworen wird, als...

Eine Frage der Ehre

Manchmal genügen, damit sich Glücksfalten auf die Stirn legen, fünfeinhalb Weltminuten. Und eine Sängerin, die sich für diese Augenblicke alles aufgehoben zu haben scheint: die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani, gutturale Versenkung in vorgeformte Abgründe. Es ist das dritte Bild in Umberto Giordanos...