Noch nicht das letzte Wort
Jörg Widmann freut sich darüber, dass der Münchner Uraufführung vor anderthalb Jahren relativ schnell eine zweite Inszenierung von «Das Gesicht im Spiegel» folgt. Außerdem muss nicht wie im Cuvilliés-Theater gegen eine trockene Akustik angekämpft werden, so dass viele Details der Partitur besser zur Geltung kommen – wichtig bei einem so klangorientierten Komponisten.
Besetzungspikanterie: Der ausgezeichnete Christoph Erpenbeck, der diesmal den Konzernchef Bruno singt, verkörperte 1997 in Bielefeld die Titelpartie von Eugen d’Alberts «Golem», und den Golem könnte man als mythisch inspirierte Urgestalt jener Klonwesen ansehen, wie sie die Gegenwart erschreckend real bereitzustellen beginnt. Allerdings sind Widmann und sein Librettist Roland Schimmelpfennig bei ihrem Bühnenwerk weit davon entfernt, Diskussionen um eine umstrittene biologische Technologie anzuheizen. Sie erzählen eine spezifisch gefärbte Geschichte um Liebe, Untreue und Eifersucht, Ähnlichkeiten mit bekannten Opern nicht ausgeschlossen. Die finale Betrachtung von Justine im bislang verwehrten Spiegel gleicht beispielsweise dem Schluss von Zemlinskys «Zwerg».
Solche Gefährdung des Stückes durch Anklammern an Bekanntes ...
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Zur Feier des 80. Geburtstages von Pierre Boulez ist es ein Vergnügen, den «Spiegel» von 1967 (Nr. 40, 25. September) herauszusuchen. Schließlich ging dessen legendärer – einer redaktionellen Überspitzung entsprungener – Interview-Titel «Sprengt die Opernhäuser in die Luft!» in die Musikgeschichte ein. Was Boulez da sagte, ist nicht nur sehr unterhaltsam («Henze...
Richtig putzig wirkte die alte Kulisse plötzlich: ein zierliches Stück Sperrholz-Barock in neuer, hochtechnisierter Umgebung. Wenn Carl Nielsens «Maskarade», die dänische Nationaloper schlechthin, bisher im Königlichen Theater am Kongens Nytorv gespielt wurde, war die Bühne voll mit einem Halbrund aus Balkons und Türen. Nun, auf der Bühne von Kopenhagens neuem...
Ihr sängerisches Alptraumerlebnis hatte Ira Malaniuk 1951 in Bayreuth. Natürlich nicht als Magdalene in den «Meistersingern», für die sie von Wieland Wagner engagiert worden war und auf die sie sich bestens vorbereitet hatte. Sondern mit der «Rheingold»-Fricka, die zwar nicht zu ihrem Repertoire gehörte, die aber als Cover-Partie im Kleingedruckten ihres Vertrages...
