Nichts scheint, wie es immer war

«Dark Fall» von Hans Thomalla

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ZUKUNFTSMUSIK
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.

Zwei Frauen sitzen nebeneinander. Um sie herum stapeln sich Briefe, Fotografien, alte Unterlagen und Dinge, die einmal Bedeutung gehabt haben. Die beiden Frauen suchen nach den Spuren eines Bewusstseins, das im Begriff ist, sich aufzulösen. Es sind Ellen und ihre erwachsene Tochter Ilse. Ellen hat Alzheimer. Die Sache wird noch komplizierter, als Ellen sich in den langjährigen Familienfreund Owen verliebt und dafür Ehemann Curtis verlassen will.

Hans Thomallas neue Oper «Dark Fall» stellt schwierige Fragen: Wo enden Autonomie und Selbstbestimmung? In wessen Interesse wird gehandelt und wer handelt überhaupt? Wer oder was bestimmt darüber, ob ein Mensch sich verlieben darf? «Dark Fall» erzählt die Geschichte einer Familie in einer Extremsituation. Die vier Figuren der Oper begegnen sich in alltäglichen Situationen, die immer wieder auch in Momente von Leichtigkeit und Komik umschlagen. Das Libretto zu «Dark Fall» hat der Komponist gemeinsam mit der Dichterin und Sprachwissenschaftlerin Juliana Spahr sowie dem Schriftsteller und Journalisten Joshua Clover geschrieben und dabei auf Motive aus Goethes «Wahlverwandtschaften» zurückgegriffen. Eingeflossen sind aber auch reale ...

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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Cordula Demattio

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