Nicht in hellblau...
Ein Schrei aus dem Dunkel. Grässlich, schrill und outriert. Man wartet aufs «Triff noch einmal» Elektras, doch dies hier ist nicht Strauss’ Atridenoper, sondern Manfred Trojahns Weiterdenken, es ist «Orest». Und Klytämnestras Todesschrei zu Beginn stellt nach Aussage des Komponisten eine artifiziell formulierte Erinnerung an Strauss dar.
Mittlerweile wird Orest von seinen Schuldgefühlen fast in den Wahnsinn getrieben. Durch seine Tat hat er die Erinnyen erzürnt, Repräsentantinnen eines untergehenden Matriarchats, die ihn als peinigendes Gewissen verfolgen.
Gott Apollo wiederum – Vertreter der aufstrebenden Väterherrschaft –, der ihn anstiftete, zieht sich in bewährter Politikerart aus der Affäre und lässt ihn mit seinen Skrupeln allein. Die racheblinde Elektra will ihn indes weiter für sich instrumentalisieren: Helena, die ihrem Gatten Menelaos schließlich nach Argos gefolgt ist, und ihre Tochter Hermione sollen die nächsten Opfer sein. Pflichtbewusst mordet Orest Helena, doch Hermiones reiner Blick kuriert ihn; er widersteht Macht, Ruhm und der göttlichen Ordnung, findet sein Selbst und wandert mit Hermione hinaus ins Irgendwo.
Im vorzüglichen Programmbuch erzählt Manfred ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhard Persché
Ein niedliches Dorf nistet zwischen grünen Hügeln, die Häuschen dicht an die Kirche geschmiegt. In Anthony McDonalds «Werther»-Inszenierung sorgt der durchscheinende Prospekt im Portal vor jedem Aktbeginn für Kontext: ein Ort so wohlgeordnet, so hell und überschaubar, dass heimliche Liebe unmöglich ungesehen bleiben kann. In dieses Bild wird das Haus des Amtmanns...
Zum Trinkwasserreservoir in Edgbaston kommt man, mit etwas Ausdauer, vom Bahnhof auch zu Fuß. Durch das Labyrinth von Baustellen, die in Birminghams Innenstadt für bessere Zeiten werben, geht es zur neuen Bibliothek, die oft nur von außen zu bewundern ist, weil vernünftige Öffnungszeiten teuer sind. Weiter durch die Symphony Hall, die, um Geld in die Kassen zu...
Schöner war Hoffnung wohl nie: «Zieh Gedanke, auf gold’nen Schwingen, / zieh und ruhe auf Fluren und Hügeln! / Lass die Sehnsucht den Lauf dir beflügeln, / bis zu Zions Gebirge und Tal.» Mögen diese luziden Verse nicht jedem Erdenbürger vertraut sein, die Musik dazu ist es mit ziemlicher Gewissheit – das Fis-Dur-Largo aus Verdis «Nabucco» zählt zu den...
