Nicht in hellblau...
Ein Schrei aus dem Dunkel. Grässlich, schrill und outriert. Man wartet aufs «Triff noch einmal» Elektras, doch dies hier ist nicht Strauss’ Atridenoper, sondern Manfred Trojahns Weiterdenken, es ist «Orest». Und Klytämnestras Todesschrei zu Beginn stellt nach Aussage des Komponisten eine artifiziell formulierte Erinnerung an Strauss dar.
Mittlerweile wird Orest von seinen Schuldgefühlen fast in den Wahnsinn getrieben. Durch seine Tat hat er die Erinnyen erzürnt, Repräsentantinnen eines untergehenden Matriarchats, die ihn als peinigendes Gewissen verfolgen.
Gott Apollo wiederum – Vertreter der aufstrebenden Väterherrschaft –, der ihn anstiftete, zieht sich in bewährter Politikerart aus der Affäre und lässt ihn mit seinen Skrupeln allein. Die racheblinde Elektra will ihn indes weiter für sich instrumentalisieren: Helena, die ihrem Gatten Menelaos schließlich nach Argos gefolgt ist, und ihre Tochter Hermione sollen die nächsten Opfer sein. Pflichtbewusst mordet Orest Helena, doch Hermiones reiner Blick kuriert ihn; er widersteht Macht, Ruhm und der göttlichen Ordnung, findet sein Selbst und wandert mit Hermione hinaus ins Irgendwo.
Im vorzüglichen Programmbuch erzählt Manfred ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhard Persché
Warum nur kommen Baraks Brüder eigentlich einarmig, einäugig und bucklig daher? Ganz einfach: Die drei schrundigen Gestalten sind versehrte Veteranen des Ersten Weltkriegs, mittellos heimgekehrt und nun aufgenommen im Unterschichtenhaushalt des Färbers und der Färberin. Brigitte Fassbaender erhellt in ihrer Kieler Inszenierung sogleich das symbolverschwurbelte...
Ganz verschwunden war sie nie, die abgöttische Verehrung großer Sängerinnen und Sänger. Von der Hysterie, die im 18. Jahrhundert Auftritte des Kastraten Carlo Broschi (Farinelli) oder der Primadonna Francesca Cuzzoni begleitete, bis zum Tenorissimo-Taumel um Enrico Caruso oder zur Assoluta-Verklärung der Callas im 20. Jahrhundert reicht diese frenetische...
Dass im Musiktheater Alt auf Neu trifft, ist wahrlich keine neue Erfindung. Ob zuletzt in Saarbrücken, bei einer Medea-Symbiose von Werken Luigi Cherubinis und Iannis Xenakis’ (siehe OW 3/2019), oder in Brüssel mit der Wiedererweckung von Frankensteins Monster durch den amerikanischen Komponisten Mark Grey (siehe Seite 37) – überall begegnen uns auf den Bühnen...
