Neues Herz, alte Seele
Ein uraltes Bühnenklischee verbindet den hohen Scheitel mit schwarzen Gedanken und Taten, weswegen etwa Gustaf Gründgens als Mephisto kahlköpfig erschien. In der Uraufführung von Christian Josts «Egmont» am Theater an der Wien wird der Fiesling Alba zeitweise solcherart gebrandmarkt, wobei Bo Skovhus sich in darstellerisch perfekter Selbstverleugnung als Scheusal geriert und äußerlich dabei auch an Mussolini denken lässt.
Was wiederum beabsichtigt sein dürfte; auf jeden Fall baut Albas stetes «Spanien zuerst» die Brücke vom historischen Kahlkopf zu gegenwärtigen Hohlköpfen, wohl ganz im Sinne von Jost und seinem Librettisten Christoph Klimke, die mit dieser Oper in einer Zeit des politischen Populismus Stellung beziehen und den «Finger in die Wunde legen» wollen. Die Frage bleibt freilich, ob Musik das Diskursive überhaupt bewerkstelligen kann. Oder ob nicht doch Kierkegaard recht hat, der meinte, Musik spreche nicht das Einzelne aus, «sondern das Allgemeine in seiner ganzen Allgemeinheit und doch diese Allgemeinheit nicht in der Abstraktion der Reflexion, sondern in der Konkretion der Unmittelbarkeit».
So wirkt dieser neue «Egmont», ein Auftragswerk des Theaters an der Wien zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché
Als Jugendliche wollte sie Pianistin werden. Dann entschied sich ELISABETH STÖPPLER für einen Kurswechsel, studierte erst in Rom Schauspiel und danach Musiktheaterregie bei Götz Friedrich und Peter Konwitschny. Seit sechs Jahren ist sie Hausregisseurin am Mainzer Staatstheater, für ihre Inszenierung der «Götterdämmerung» in Chemnitz erhielt sie einen...
Kaum ein Topos der Kulturgeschichte ist so sehr mit Assoziationen, Klischees und Vorurteilen überkrustet wie der der Femme fatale, der gefährlichen, verlockenden Schönen, die rigoros einzig sich selbst folgt, die Männer in den Untergang treibt, um ihnen wiederum zum Opfer zu fallen: Judith, Dalila, Carmen, Kundry, Salome, Lulu. Doch schon die Reihenfolge verweist...
New York, 1926. Ein Konzert mit Mahlers Vierter. Die würde die junge Frau gern auch mal dirigieren. Auf dem Podium: Willem Mengelberg, der berühmte Maestro aus den Niederlanden, ein Star des klassischen Musikbetriebs. Doch Antonia Brico, die als Kind aus Rotterdam nach Amerika gekommene Immigrantin, muss sich damit begnügen, der High Society die Plätze anzuweisen....
