Neues Herz, alte Seele

Jost: Egmont
WIEN | THEATER AN DER WIEN

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Ein uraltes Bühnenklischee verbindet den hohen Scheitel mit schwarzen Gedanken und Taten, weswegen etwa Gustaf Gründgens als Mephisto kahlköpfig erschien. In der Uraufführung von Christian Josts «Egmont» am Theater an der Wien wird der Fiesling Alba zeitweise solcherart gebrandmarkt, wobei Bo Skovhus sich in darstellerisch perfekter Selbstverleugnung als Scheusal geriert und äußerlich dabei auch an Mussolini denken lässt.

Was wiederum beabsichtigt sein dürfte; auf jeden Fall baut Albas stetes «Spanien zuerst» die Brücke vom historischen Kahlkopf zu gegenwärtigen Hohlköpfen, wohl ganz im Sinne von Jost und seinem Librettisten Christoph Klimke, die mit dieser Oper in einer Zeit des politischen Populismus Stellung beziehen und den «Finger in die Wunde legen» wollen. Die Frage bleibt freilich, ob Musik das Diskursive überhaupt bewerkstelligen kann. Oder ob nicht doch Kierkegaard recht hat, der meinte, Musik spreche nicht das Einzelne aus, «sondern das Allgemeine in seiner ganzen Allgemeinheit und doch diese Allgemeinheit nicht in der Abstraktion der Reflexion, sondern in der Konkretion der Unmittelbarkeit».

So wirkt dieser neue «Egmont», ein Auftragswerk des Theaters an der Wien zum ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché

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