Mit forschendem Blick
Forschend blickt Christian Gerhaher auf dem Cover dem Betrachter ins Auge, an einen aufmerksamen Psychiater gemahnend. Wer könnte der Patient sein? Robert Schumann selbst? Clara? Wohl sind die «Myrthen», op. 25, die der Komponist seiner geliebten Braut 1840 am Vorabend der Hochzeit metaphorisch ins Haar wand, «eines der schönsten je einem liebend geliebten Menschen gemachte Geschenke», wie der Sänger es im Booklet seiner jüngsten CD formuliert. Und doch transportieren sie in der Retrospektive eben auch den tragischen Verlust.
Als selbsterfüllende Prophezeiung? Auf jeden Fall würde die distanzierte Sicht eines (Psycho-) Analytikers zur Aussage passen, die Gerhaher einmal im Gespräch mit dem Autor dieser Zeilen traf: Er lasse eine Figur zwar durch sich hindurch, aber er sei diese Figur nicht; es gebe da eine unbedingt nötige Distanz. Dabei schafft Gerhaher immer wieder die Quadratur des Kreises, trotz dieser Mauerschau-Perspektive direkt und außerordentlich zu berühren. Im Falle der «Myrthen» nicht nur am Schluss des vierteiligen Zyklus (Gerhaher versteht den Liedkreis eindeutig zyklisch, nicht bloß als Kompilation), da die Summe eines gemeinsamen Lebens gezogen wird. Gerhaher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché
Weder Oper noch Oratorium. Nicht für die Bühne noch für sakrale Räume gedacht, sondern als «Dichtung» für den Konzertsaal. Robert Schumann stellte sich für das 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführte Werk «heitere Menschen» vor. «Das Paradies und die Peri»: eine unvergleichliche Komposition, inspiriert durch das erstmals 1817 erschienene Epos «Lalla Rookh»...
Die Sopranistin Edith Mathis war in den 1970er- und 80er-Jahren als Mozart-Interpretin, aber auch als Oratoriensängerin in aller Welt gefragt und an vielen Operneinspielungen beteiligt. Dennoch ist es um ihren Nachruhm schlecht bestellt. Ihre großen Mozart-Partien hat sie mehrfach aufgenommen, war überdies an der Entdeckung seiner frühen Bühnenwerke wie an der...
Schon sein erster Ausflug ins Reich der Operette war ein Riesenerfolg. Das 2014 veröffentlichte Album «Du bist die Welt für mich» verkaufte sich 215 000-mal. Weil sich Jonas Kaufmann auf die Jahre 1925 bis 1935 beschränkte, also auf die bronzene Ära des Genres, hatte Sony damals vor allem den deutschsprachigen Markt im Blick. Jetzt aber ist die ganze Welt die...
